Kaum glaube ich es selber... ich habe soeben mein "Buch" (es ist eigentlich insgesamt zu kurz für ein richtiges Buch) vom Manottidil, an dem ich mit langen Pausen zwischendrin quasi seit ca. 2012 schreibe, fertiggeschrieben... Was ich jetzt damit mache, weiß ich nicht. Würde es gerne mal jemandem zur Lese übergeben. Mal sehen. Bin nun jedenfalls sehr froh darüber!
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Sonntag, 8. August 2021
Fertigstellung des "Buchs vom Manottidil"
Samstag, 13. Juni 2020
Vanitas, vanitas (und Regen)
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| Bewundernswerte Wolken über den Wegen |
Ein paar Tage Regen liegen zurück, nun regiert Sonne das Land, man kann barfuß oder mit offenem Schuhwerk durch die Gegend stapfen und die Wolken bewundern. Bevor der Regen zurückkommt, habe ich meine Ausrüstung ergänzt. Ein paar Regengamaschen wurden beschafft, die im Falle von Regengüssen eben noch die Schuhe vor dem Wasser schützen. Es handelte sich dabei quasi noch um das letzte I-Tüpfelchen, das meiner Regenschutzausrüstung zu Rad noch fehlte.
Heute Nacht reiste ich im Traum gut 20 Jahre zurück, in die Zeit meines ersten und bisher einzigen Interkontinentalfluges. Nur irgendwie war alles anders. Ganz allgemein frage ich mich, was für eine furchtlose Seele ich damals gehabt haben muss. Vor besagtem Flug und auch währenddessen war ich eigentlich nur aufgeregt, aber kein bisschen nervös. Auch so gewisse Alltagsmanagementprobleme, die damals noch schlimmer als heute waren, haben mich kaum gestört. So ändern sich die Zeiten. Die Stadt war damals auch noch zumindest teilweise meine. Inzwischen erkenne ich manchmal mein eigenes Haus nicht mehr wieder. Vanitas, vanitas!
Nun, lieber Leser, wende ich mich wieder dem schon ungeduldig wartenden Manottidil zu, um es auch endlich von seinen Abenteuern erzählen zu lassen.
Nun, lieber Leser, wende ich mich wieder dem schon ungeduldig wartenden Manottidil zu, um es auch endlich von seinen Abenteuern erzählen zu lassen.
Sonntag, 7. Juni 2020
Bäume im Regen
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| Die Schönheit eines Baumes im Regen |
Was für ein wunderschöner Tag! Es regnet und die im Safte stehende Natur wirkt dadurch noch schöner. Ehrlich: man muss mal einen Baum im Regen genauer betrachten. Ich finde sie dann besonders schön.
Am Freitag wollte ich eigentlich mein in der Werkstatt befindliches Fahrrad abholen, was erstmal auch zu klappen schien. Als ich dann schon auf dem Heimweg damit war, trat ich in die Pedale und wieder rutschte mir die Kette mit lautem Krachen aus dem Gang. Kurzentschlossen fuhr ich zurück damit und übergab es erneut dem Mechaniker. Dieser hatte aus Sparsamkeit eines von zwei Teilen ersetzt, hätte aber besser gleich beide erneuert. Nun warte ich wieder.
Heute durfte ich in einem Gottesdienst über die Bedeutung und gleichzeitig Unzulänglichkeit von Gottesbildern nachdenken. Anschließend heimzu. Wieder im Regen.
Das Manottidil lässt grüßen, es geht ihm gut und seine Abenteuer nehmen immer weiter Gestalt an.
Am Freitag wollte ich eigentlich mein in der Werkstatt befindliches Fahrrad abholen, was erstmal auch zu klappen schien. Als ich dann schon auf dem Heimweg damit war, trat ich in die Pedale und wieder rutschte mir die Kette mit lautem Krachen aus dem Gang. Kurzentschlossen fuhr ich zurück damit und übergab es erneut dem Mechaniker. Dieser hatte aus Sparsamkeit eines von zwei Teilen ersetzt, hätte aber besser gleich beide erneuert. Nun warte ich wieder.
Heute durfte ich in einem Gottesdienst über die Bedeutung und gleichzeitig Unzulänglichkeit von Gottesbildern nachdenken. Anschließend heimzu. Wieder im Regen.
Das Manottidil lässt grüßen, es geht ihm gut und seine Abenteuer nehmen immer weiter Gestalt an.
Sonntag, 31. Mai 2020
Letzter Mai
Heute haben wir den letzten Mai 2020. Und mir ist ganz wonnemonatlich zumute. Habe gestern erst zögerlich, dann mit wachsender Entschlossenheit am Buch über das Manottidil weitergeschrieben und bin soweit recht zufrieden. Muss nur dranbleiben. Das Ende, das seit Jahren fertigskizziert hier herumlage, habe ich dann gegen Abend, kurz vor einem Humpen guten Bieres, nochmal umgeschmissen und eine wichtige Kleinigkeit hinzugefügt. Nun will ich sehen, ob ich nicht jetzt noch etwas schreiben kann.
Den Vormittag nutzte ich wider Vorsatz (eigentlich wollte ich aufgrund der für mich ein bisschen unpraktischen Hygieneregeln erstmal wieder auf Streaming umsteigen) zu einem Gottesdienstbesuch, da mich ein alter Bekannter spontan angegerufen hatte und gerne mit mir einen Gottesdienst besuchen wollte. Da habe ich mich dann nicht versagt und war ziemlich froh. Vielleicht auch darüber, dass ich da gehalten bin, gewisse Sachen zu lernen.
Seit kurzem verfolge ich auch die Idee, mir hier so eine Art kleinen Hausschrein bzw. eine Andachtsecke einzurichten. Entstanden ist das so, dass ich seit vielen Jahren immer z. B. einen Schemel irgendwo herumstehen habe und da dann erst aus Gelegenheit immer Sachen drauf abgelegt habe. Eine Bibel z. B., wenn ich gerade mal gemütlich auf einem Kissen oder so Bibel gelesen habe. Oder eine Kerze, die ich zum Gebet angezündet habe. Mit der Zeit sind so kleinere Devotionalien dann einfach auf dem entsprechenden Schemel etc. liegengeblieben. Und irgendwann war es dann auch kein zufälliger Schemel mehr, sondern ich habe das entsprechende Möbel speziell diesem Zweck gewidmet. Und nun, da sich hier schon so eine quasi altehrwürdige Tradition herausgebildet hat, habe ich überlegt, dass ich das Eck dann auch bewusst herrichten und etwas verschönern könnte.
Freitag, 29. Mai 2020
Schnell ging
Schnell ging die Woche dahin. Und nun sitze ich schon wieder hier.
Mein Rad hat im Laufe der letzten 1-2 Wochen begonnen, sich zu beschweren. Beim Anfahren rutschte mir die Kette aus dem Gang. Entsetzliches Krachen. Fahren nur noch im untersten Gang ohne Probleme möglich. Dafür langsam. Kette durch? Zahnkratzpaket hin? Wie auch immer: Ich beschloss, dass das gute Ding nun seine lang verdiente Wartung erhält und brachte es zum Fahrradmann meines Vertrauens. Mal sehen.
Für das Wochenende habe ich vor, mein nun fast zehn Jahre Fragment gebliebenes Buch vom Manottidil weiterzuschreiben. Der Gedanke, damit irgendwann tatsächlich mal fertig zu sein, hat so seinen Reiz. Und wenn es nur ist, um mir zu beweisen, dass ich das Buch tatsächlich zuende schreiben kann. Nunja... nicht zu viel Druck aufbauen. Jedenfalls musste ich über meine Notizen, die ich, weshalb ich auch überhaupt auf den Gedanken kam, neulich wieder gefunden habe, herrlich lachen. Sollte das Buch fertigwerden und ich gewisse Grundlinien wieder aufnehmen und vom Niveau her halten können, wird es ein wahrlich sphärenerschütternder Unsinn sein und ich sehr stolz darauf. Wird es Leser finden? Aber natürlich nicht! Es wird auch nicht, weder auszugsweise noch in Langform, auf Poetry-Slams zu hören sein. Nicht an regionalen Literaturwettbewerben teilnehmen. Nicht an Verlage gesendet mit der Bitte, man möge doch mal kurz vom hohen Ross herab und so weiter. Geschrieben worden ist es bisher und soll es zukünftig einzig und allein angetrieben vom schallenden Gelächter des Manottidiles werden, das an Bahnhofsuhren hängt und die Zeiger verdreht. Das kostenlose Bananenschalen verschenkt. Es handelt sich um die reinste Nichtliteratur. Geschrieben von einer Sorte Mensch, die es überhaupt nicht geben sollte. Geschrieben von den Freunden des vegetarischen Fleischsalats, von den Verächtern von Diplom und Titel und den Erben von Kirchenmaus und Ratten im Gemäuer (womit wir jetzt Polemik und Zitat in einem Eintrag vereint hätten).
Ansonsten gehen die Gespräche zum Konfessionswechsel hier erfreulicherweise weiter. Das tut, passend zu Pfingsten, so gut, das Gefühl zu haben, dass sich mal wieder was bewegt. Das es Wege gibt und nicht nur Sackgassen.
Mein Rad hat im Laufe der letzten 1-2 Wochen begonnen, sich zu beschweren. Beim Anfahren rutschte mir die Kette aus dem Gang. Entsetzliches Krachen. Fahren nur noch im untersten Gang ohne Probleme möglich. Dafür langsam. Kette durch? Zahnkratzpaket hin? Wie auch immer: Ich beschloss, dass das gute Ding nun seine lang verdiente Wartung erhält und brachte es zum Fahrradmann meines Vertrauens. Mal sehen.
Für das Wochenende habe ich vor, mein nun fast zehn Jahre Fragment gebliebenes Buch vom Manottidil weiterzuschreiben. Der Gedanke, damit irgendwann tatsächlich mal fertig zu sein, hat so seinen Reiz. Und wenn es nur ist, um mir zu beweisen, dass ich das Buch tatsächlich zuende schreiben kann. Nunja... nicht zu viel Druck aufbauen. Jedenfalls musste ich über meine Notizen, die ich, weshalb ich auch überhaupt auf den Gedanken kam, neulich wieder gefunden habe, herrlich lachen. Sollte das Buch fertigwerden und ich gewisse Grundlinien wieder aufnehmen und vom Niveau her halten können, wird es ein wahrlich sphärenerschütternder Unsinn sein und ich sehr stolz darauf. Wird es Leser finden? Aber natürlich nicht! Es wird auch nicht, weder auszugsweise noch in Langform, auf Poetry-Slams zu hören sein. Nicht an regionalen Literaturwettbewerben teilnehmen. Nicht an Verlage gesendet mit der Bitte, man möge doch mal kurz vom hohen Ross herab und so weiter. Geschrieben worden ist es bisher und soll es zukünftig einzig und allein angetrieben vom schallenden Gelächter des Manottidiles werden, das an Bahnhofsuhren hängt und die Zeiger verdreht. Das kostenlose Bananenschalen verschenkt. Es handelt sich um die reinste Nichtliteratur. Geschrieben von einer Sorte Mensch, die es überhaupt nicht geben sollte. Geschrieben von den Freunden des vegetarischen Fleischsalats, von den Verächtern von Diplom und Titel und den Erben von Kirchenmaus und Ratten im Gemäuer (womit wir jetzt Polemik und Zitat in einem Eintrag vereint hätten).
Ansonsten gehen die Gespräche zum Konfessionswechsel hier erfreulicherweise weiter. Das tut, passend zu Pfingsten, so gut, das Gefühl zu haben, dass sich mal wieder was bewegt. Das es Wege gibt und nicht nur Sackgassen.
Freitag, 10. März 2017
Manottidil, wieder freitags
Bisherige Schnipsel:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 6
Wieder ist es Freitag. Es folgt der 7. Abschnitt (diesmal etwas sparsamer dosiert, rein mengenmäßig, um das vorläufige Ende noch etwas hinauszuzögern....) des immer noch unvollendeten Buches vom Manottidil.
-----------------------------------------------------Fortsetzung folgt! ------------------------------------
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 6
Wieder ist es Freitag. Es folgt der 7. Abschnitt (diesmal etwas sparsamer dosiert, rein mengenmäßig, um das vorläufige Ende noch etwas hinauszuzögern....) des immer noch unvollendeten Buches vom Manottidil.
4. Kapitel
Julisanda und das Manottidil trippelten so eine Weile auf der großen Straße nach Norden entlang. Die Sonne schien ihnen mit enormer Hitze auf die Köpfe, nur ab und zu wurde sie verhüllt von einer kecken Wolke, die das Leuchtegestirn und seinen sprichwörtlichen Zorn nicht fürchten wollte.
Die besagte Straße war von fähigen Baumeistern der alten Zeitalter nahezu schnurgerade durch die Landschaft gezogen worden, ab und zu flankiert von einem schlichten, weißen, etwa hüfthohen Meilenstein, der die Anzahl der Meilen, die der Reisende noch bis Rom zu fahren hatte, oder, wenn man wie unsere beiden Freunde nach Norden unterwegs war, wie viele Meilen man nun schon vom Haupt der Welt, Rom, entfernt war.
Wie es auf einer Reise so zuzugehen pflegt, auf der kein Brettspiel zur Hand ist, auf der keine temperamentvolle Rede von Himmelsphänomenen wie Kometen und ihren Leuchtschweifen, von exotischen, bunten Tieren und niegesehenen südamerikanischen Urwäldern die Stimmung hebt, es kam eine gewisse Langeweile auf.
Julisanda und das Manottidil halfen sich dergestalt ab, dass sie eine der Trinkflaschen, gefüllt mit guten Weins aus der Gegend von San Giacomo, die ihnen ihr zurückgelassener Freund Maurizio zur Stärkung auf die Reise mitgegeben hatte, zwischeneinander hin- und herreichten. Jeder von beiden nahm dann einen ordentlichen Schluck, und, da der Wein die Qual der Welt lindert, fröhliches Gemüt schafft, und die Gedanken fortweht wie ein Wind die Wolken, war es dann an der oder dem trinkenden, einen besonders geistreichen Trinkspruch zu ersinnen, und laut zu deklamieren.
„Hundert Jahre Glück! Mögen alle Völker von tausend Musen besessen werden! Möge es nie einen Mangel an Kalkstein und Romanen geben! Möge die Musik über den Stumpfsinn triumphieren! Heureka Hurra! Prost und Prosit!“
„Tausend Tonnen sonnenverwöhnter Zitronen! Möge es den Hinterhofdichtern von Palermo nie an Inspiration mangeln! Möge allen stets genug Esskastanien zur Verfügung stehen! Mögen alle Gastmähler der Welt fröhlich, und alle Häuser der Welt offen sein! Trimbim Tamerlan! Ein Hoch, ein Hoch! Es lebe der Wein und die Schönheit!“
So, oder so ähnlich, ging es eine ganze Weile dahin, bis die beiden des Spiels überdrüssig wurden, und, von dem guten Wein, ihre Schritte nicht mehr ganz so schnurgerade wie die Straße gelangen.
Noch eine Weile, und Julisanda blickte ihren Ehemann keck, fast ein bisschen frech, an, und rief: „Los! Ein Lied! Wir brauchen ein Marschlied!“
Das Manottidil ließ sich nicht lange bitten und begann umgehend zu singen:
„Gibt es hier Räuber?Gibt es hier Täuber?Tauben und Taube?Schräuber und Schraube?Schraube dich weiter nach Norden mein KindGibt es hier Täufer?Gibt es hier Käufer?
Tauben und TaubeSchräuber und SchraubeTaumele weiter nach Norden, mein Kind!“
sang das Manottidil mit warmer Stimme.
Und Julisanda antwortete seinen Versen:
„Da steht ein Baum im SüdenVoll Äpfel, Orangen und QuittenIn dem sitzen Rabe und Adler,erzählen von Mäusen und Mücken undMäusern in ihren Häusernvon Arglist und bösen Tückenvon Würde und alten Sitten.
Die Äste schaukeln, die Blätter gaukelnSo heftig wie selten man's siehtDer Adler, der Rabe, sie schütteln die Köpfeund singen gemeinsam ein Lied:Ein Segelboot ist leicht gebautEin Fässchen Bier ist schnell gebrautMäuse und Ratten
quellen in Wellenauf alle Felder hinausDas blonde Mädchen
zählt tausend Rädchenauf des Königes Schmaus.“
Die beiden Reisenden lachten vergnügt.
Eine in der Hitze des Tages erfrischende Brise wehte die Hänge der den Weg säumenden Hügel hinab. Es beugten sich die Olivenbäume. Das Manottidil ließ seinen Blick links und rechts der Straße umherschweifen. In die Hügel waren kunstvoll kleine Gärten hineingezirkelt worden. Es sah dort rote und orangne Blumen wachsen, frisches Obst, Trauben, Getreide, verschiedene Kräuter. Ab und war in der Ferne ein kühler, hoher Aussichtsturm zu sehen. Vögel flogen dahin, in exakter Dreiecksformation, und eine gewaltige Stille überwältigte den Sommernachmittag.
„Warum hast du eigentlich keinen Namen?“ fragte Julisanda das Manottidil. Das zwinkerte und antwortete: „Wozu brauche ich ihn? Wenn man mich ruft, komme ich nicht. Wenn ich da bin, bin ich da. Wozu einen Namen? Zoologie und Zensus. Wenn ich da bin, bin ich da. Wenn ich fort bin, komme ich auch nicht wieder. Namen sind nur eine schlechte Versicherung.“
Als sie so redeten und ihre Reise dahinbrachten, konnte, wer scharfes Auge und einen aufmerksamen Blick mitbrachte, am Ende der Straße Staub sehen. Eine ganze Staubwolke, wie eine Windhose in der Wüste. Die Staubwolke näherte sich Julisanda und dem Manottidil, und irgendwann erkannte man, dass es sich um einen Reiter handelte.
-----------------------------------------------------Fortsetzung folgt! ------------------------------------
Samstag, 4. März 2017
Nächstes Manottidil
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| Im Brachland, März 2017 |
Gestern, freitags, hat sich das Manottidil unangekündigt einfach einen Tag frei genommen, und somit seine allfreitägliche Rückkehr diese Woche auf Samstag verschoben...
Nach Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 und Teil 5 der Saga vom sinnenbegabten Schuppentiers nun der sechste Abschnitt meines Buchfragments (ich muss in Zukunft etwas sparsamer posten, wenn ich so langsam weiterschreibe...) :
„Es wird Zeit für das Abendessen. Wollen Sie mir die Ehre erweisen, mit mir zu essen? Und, gesetzt den Fall Sie beide stimmen zu, heute Abend wird am örtlichen Theater ein kleines Stück gegeben, und Sie möchten es vielleicht sehen. Es ist ein allegorisches Stück, wie es heißt.“
Beide Eheleute nickten erfreut, versprach all das doch einen genußvoll verbrachten Abend.
Nach dem Mahl, bei dem man allerhand bunte Meeresfische, gebraten, gesotten und aufs Edelste gewürzt verzehrt hatte, begab man sich in Richtung des Stadttheaters, eines protzigen Renaissancebaus, umsäumt von buschigen Bäumen, umstanden von Laternen, die für ein angenehmes Licht sorgten. Auf der Bühne sollte heute das Stück „Der Gang ins Elysium über die hohen Stufen des Tempels der Fortuna“ gezeigt werden, ein wahrhaft episches Werk aus der Feder eines der ansässigen Professors, für das es ohne Pause einer Spielzeit von sechs geschlagenen Stunden bedurfte.
Auf dem Vorplatz des Theaters tummelten sich bereits die Würdenträger und Kunstfreunde San Giacomos. Es wurde gelacht und geistreich parliert, man trug Mäntel aus Hermelin, prunkvolle Hüte in Pyramidenform, überall Glitzern und Gleißen. Auch das Manottidil war königlich herausgeputzt. Auf der Nase trug es eine goldene Brille und um seine Gesetztheit noch besser zum Ausdruck zu bringen, hatte es sich eine bordeauxrote Schärpe umgebunden. Frau Julisanda hatte ein neckisches Hütchen auf dem Kopf und war in ein moosgrünes Abendkleid gekleidet.Vor dem Theater stand ein kleines Orchester und spielte eine ernste barocke Sarabande.Im Vorbeigehen kaufte das Manottidil einem der Straßenhändler, von denen es am Platze nur so wimmelte, eine Tüte gebrannter Mandeln ab. „Knack knack, köstlich!“ murmelte es voll Wonne und machte eine dramatische Geste in Richtung des Blechmondes am Abendhimmel.
Das Orchester vollendete die Sarabande und trat ab. Die Pforten des Musentempels wurden aufgetan und das erlesene Publikum eingelassen. Das Innere des Gebäudes war ganz Geschichte, Samt, Marmor, Gold. Freundliches Personal half den Besuchern aus den Mänteln und wies Plätze ein. Man nahm gespannt seinen Sitz ein, Julisanda, Maurizio, das Manottidil, man tuschelte nächtliche Geheimnisse, bis das Licht erlosch und die Vorstellung begann. Das Bühnenbild zeigte einen antiken Tempel. Auf dem Boden lagen unzählige Rosenblüten verstreut, an beiden Enden der Bühne waren Räucherschalen aufgestellt, in denen köstlichster indischer Weihrauch verbrannt wurde, was im Publikum zu gelegentlichen Wahnen und Hustenanfällen führte. Der Hintergrund der Szenerie bestand aus einem Leinentuch, das man kunstfertig mit verschiedengroßen Himmelskörpern, einem Halbmond und der goldenen Sonne bemalt hatte. Nun nahm das Spiel seinen Beginn.
Zuerst betrat der Gott der Zeit die Bühne und begann mit mächtiger Stimme einen Vortrag an das Publikum. Das Rad der Zeit drehe sich ewig, die Zeit sei das einzige Ding auf Erden, dass ewig bestünde. Selbst die Erde sei nicht ewig und die Götter warteten nur auf eine günstige Gelegenheit, diesen Ort voll Unrat, Frevel und Gestank zu beseitigen. Man tue gut daran, in der Zeit zu Leben, demütig die Minuten und Sekunden, die zur Verfügung stünden, zu nutzen und seiner Zeit zu gedenken.
In dieser Art erklang der Sermon des Gottes eine gute halbe Stunde, bis eine als Justizia gekleidete Mezzosopranistin in klobigen Schuhen auf die Bretter stolperte, und den Gott der Zeit mit einem groben Schwerthieb zu Boden schlug. Mit goldenem Klang erhob sie ihre Stimme und untermalt von den warmen Tönen eines Cembalos im Orchestergraben, trällerte die hübsche junge Frau ihre Arie, die insgesamt wohl an die zwanzig Minuten gedauert hat. Es ging um die Gerechtigkeit, die immer siege, sogar über die Zeit, die Gerechtigkeit sei das einzige Ding auf Erden, dass ewig sei, selbst die Erde müsse ja vergehen, weil sie ungerecht wäre und nur die Rechtschaffenheit und das Recht führten ins...
...bong bong bong … bong bong bong …
Gerade als Julisanda sich beklagen wollte über den aufgedunsenen Bombast und das Übermaß an Allegorie, sowohl in der Inszenierung als im Text, dem das Stück zugrunde lag, erklang von draußen lauter Glockenklang. Erschrocken waren die Besucher aufgesprungen. Was sollte das bedeuten?Dann wurden die Türen des Zuschauerraums aufgerissen, die Bediensteten des Theaters machten Licht und riefen laut: „Feuer! Feuer! Feuer! Die Stadt brennt.“
Es war nun so, dass einer der Studenten der Akademie über seinem Studieren und dem Schreiben großer Oden einen Anfall milden Cäsarenwahns erlitten hatte. In diesem glaubte er, Kaiser Nero zu sein, die Stadt vor seinem Balkon hielt er für Rom. Trunken und begeistert war der arme Jüngling nun hinaus gelaufen, hatte Feuer an die Häuser und Kirchen gelegt, laut gelacht, geschrien, sich am Boden gewälzt, beleuchtet vom roten Schein des Feuers, getrieben von Gefühlen der Größe.
Die Stadt war in Aufruhr, ein jeder versuchte, sein Hab und Gut zu retten, unfreundlich stieß man sich zur Seite und keifte ohne Pause böse Worte.
Das Manottidil und Julisanda waren aber klug gewesen, hatten die Stadt auf schnellstem Wege verlassen und den Weg Richtung Norden angetreten.
Und so endet die Geschichte der großen Stadt San Giacomo, dem Stern der Bildung Europas, die in einer einzigen Nacht zu Scherben und Asche verbrannt ist. Heute wachsen an ihrer Stelle Disteln und der Sonnenhut.
-------------------------------------FORTSETZUNG FOLGT ! -------------------------------------------
Freitag, 24. Februar 2017
Manottidil, Take 5, and action...
Nach Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4 jetzt der fünfte Abschnitt des Manottidilbuches:
----------------------------------------------------------FORTSETZUNG FOLGT!! -------------------
Die Worte Jesu Christi wurden in San Giacomo besonders ernst genommen und viele Jahrhunderte, vielleicht auch Jahrtausende waren von den Bürgern der Stadt dazu aufgewendet worden, die richtige Auslegung der heiligen Bibel zu ergründen. Das Verzeichnis der Kirchengemeinden in San Giacomo las sich dementsprechend wie ein Katastrophenbericht oder eine Metapher auf die Evolution des Lebens auf der Erde. Gab es zur Zeit der Stadtgründung lediglich eine Kirche, katholisch, die den Namen der Siedlung trug bzw. andersherum, explodierte die Zahl der Nebenkirchen in den folgenden Jahrhunderten. Da gab es die Gemeinde „Von der apokalyptischen Frau“, die daraus entstanden war, dass ein gewissenhafter Doktor der Theologie zur Überzeugung gelangte, der Offenbarung des Johannes müsse mehr Gewicht zugestanden werden als der restlichen Schrift, nachdem ihm im Laufe einer Zwölf-Stunden-Messe am Johannistag schwindelig geworden war und er sich nun gerade an einer Statue der Maria in Gestalt der „apokalyptischen Frau“ noch festhalten konnte.Wieder andere Gruppen trennten sich aufgrund für sie wichtiger Streitfragen des Glaubens, wie jener darum, aus welcher Gesteinsart die Gebotstafeln des Mose gemacht gewesen seien oder ob es „Wein und Brot“ oder nicht vielleicht „Brot und Wein“ heißen müsse.
So hatten Frau und Herr Manottidil nicht wenige Kirchenbauten auf ihrem Weg durch die Gassen der Stadt zu bestaunen. Da gab es die wuchtige Barockkirche „Heiliger Stefanus unter den Palmen“, in der die „Kongregation der Brüder in Christi zur höheren Ehre aller Heiligen“ ihre Gottesdienste abhielt, ein Gebäude, das aus weißem Marmor erbaut war, der Andachtsraum quoll über vor reich mit Gold, Perlmut und Jade verzierter Statuen, die schier alle Heilige des großen christlichen Legendenschatzes zierten und jede Stunde hielt ein charismatischer Bruder eine Messe zur Ehre eines durch ein kompliziertes, sich an Zahlenspielen in der Schrift orientierendes Lotterieverfahren ausgewählten Heiligen.
„Ob das das Wesen der Religion ist?“ fragte Julisanda ihren Gatten „Zufall, Zufall und Menschenwerk?“„Du irrst Dich!“ entgegnete dieser. „Es ist eher wie Schach. Ein unendliches Geflecht von Kombinationen, wohlgeordnet und geheimnisvoll durchdacht. Springer auf C2!“.
Staunend standen die beiden Eheleute im heißen Nachmittagswind auf dem Platz vor der Kirche und schauten die beiden gewaltigen Türme hinauf.
„Oh! Signore, Signora, verzeihen Sie bitte, aber habe ich dort gerade eine Schachmetapher gehört?“ lies sich ein liebenswert aussehender Herr mittleren Alters da hinter den beiden vernehmen. Sein Haar war von wichtigem Grau, seine Kleidung sauber und elegant, weißes Jackett, alte, aber gepflegte Lederschuhe.„Wissen Sie, Schach ist mein Leben, mein seliger Vater brachte mir dieses prächtige Spiel schon im Alter von 8 Jahren bei, und ich liebe Schach. Es beruhigt den Kopf und weckt den Geist! Es ordnet die Gedanken und pflegt die Empfindungen“
Das Manottidil nickte erfreut und sagte, eine kurze Bedenkzeit einhaltend: „Unser aller Leben ist Schach. Schach und Religion, Schach und das Wetter, Schach und Politik, Schachreligion und Schachpolitik. Kaum einer schafft es, dem Rang einer Schachfigur zu entlaufen.“„Maurizio ist mein Name.“ stellte sich der Mann vor. „Mit Einverständnis der Dame und des Herrn würde ich Sie gerne durch meine Heimatstadt führen. Nie werden sie in der Fremde solche Einblicke in die Wesensart eines Ortes, seine Essenz, erhalten als wenn sie von einem Eingeweihten geführt werden. Das Leben ist, wie sie sagen, wahrscheinlich Schach. Reisen aber ist Gnostizismus, Alchemie und Freimaurertum.“
Die drei schüttelten sich die Hände und spazierten, als schlafwandelten sie, gegen die Richtung des Windes, der von Südost her wehte.
Vor einem Haus schlicht-eleganter Bauweise blieb Maurizio stehen, seinen Arm auf das Gebäude richtend. „Signora, Signore, hier sehen sie das Wohnhaus des Stadtrates Mäander, welcher im Jahr 2079, Hochrenaissance, hier wirkte. Sein Lebenswerk war der Versuch, die Stadtmauern blau zu bemalen, um die Melancholie, die von der See herreinschwappt, zu spiegeln. Er nahm sich mit 39 Jahren, so sagt man, das Leben, indem er von den Klippen in der Kugelseebucht sprang.“
Der nächste Halt war eine grobe, romanische Kapelle, grau von Alter, abgeschliffen von Regen und Wetter.
„»Sankt Purgatorium der verirrten Seelen« heißt dieses Kirchlein. Die Gemeinde ist vor vielen hundert Jahren entstanden, als ein Hochwürden Magnaculpea, angeblich ein Rumäne, die Christusworte »Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.« begann strikt auszulegen. Seitdem vermeiden seine Nachfolger nicht nur nach Möglichkeit das Sprechen, sondern auch Arbeit, Familie und alles andere. Nun ja. Lassen Sie uns doch einen kurzen Blick hineinwerfen, bevor die Nachmittagsmesse gelesen wird.“
Im Inneren der Kirche herrschte ein trübes Dämmerlicht. Keine Kerze erhellte den Raum, kein Zierrat war zu erblicken, nur einige sehr plastisch gezeichnete Darstellungen der sieben Todsünden waren an den traurigen Steinwänden zu erblicken, lediglich drei oder vier sehr dürre Gläubige knieten auf groben, abgewetzten Bänken, ins Gebet vertieft.
„Wahrlich, ein irdisches Purgatorium.“ bemerkte das Manottidil „Nicht schlecht. Aber möglicherweise doch ein bisschen trostlos? Lasst uns wieder ins Freie gehen.“
Man schritt, von Andacht ergriffen, ins Sonnenlicht hinaus.
„Nun sollen Sie beide das genaue Gegenteil des eben erlebten ansehen!“ sprach der Reisebegleiter unserer beiden Eheleute leutselig. „Bitte folgen Sie mir!“ und eilte voran.
In einem vormaligen Weinlagerhaus hatte die Kirchengemeinde „St. Florian reißt dem dumpfen Schriftgelehrten das Buch aus der Hand“ ihr Gotteshaus eingerichtet. „Es gibt dort keine Messen und die Gemeindeglieder kämen im Traum nicht darauf, in der Bibel zu lesen. Sie sind der festen Überzeugung, durch ein nachdrücklich gelebtes Leben und aktive Nächstenliebe alles zu tun, was getan werden muss. Dabei berufen jene sich übrigens auf die haargenau gleiche Stelle in der Schrift wie die Purgatoristen“ In der großen Halle, in der nur einige Stühle und Kübel, in denen Pflanzen grünten, standen, rannten einige ausgelassen lachende Kinder in Schlangenlinien umher. Ein Hund bellte in einer Ecke die Wand an und vier Männer quäkten, begleitet von einer verstimmten Gitarre, das Lied „Alter Seemann von Kreta, Du gabst einem Bettler all Dein Geld!“, und dies alles vermengte sich zu einer scheußlichen Kakophonie. Die drei Spaziergänger verließen den Raum zügig wieder.
„Mich würde sehr interessieren, wie Sie, Bester, eigentlich zur Religion stehen, in einer Stadt, die scheinbar keinen Mangel an solcher leidet!“ sprach das Manottidil eifrig zu Maurizio, dem Reisebegleiter. Dieser kratzte sich eine Weile lang am Kopf, bevor er bedächtig antwortete. „Wahrscheinlich bin ich ein Ungläubiger. Ich nehme den Glauben zu ernst, um einfach zu glauben. Glauben ist keine Zitrone, meine Herrschaften, Glauben ist keine Schachpartie. Und eine Schachpartie ist keine Zitrone.“
Das Manottidil und Julisanda nickten wissend und voll des guten Gefühls, hier einen wahren Seelenverwandten gefunden zu haben.
----------------------------------------------------------FORTSETZUNG FOLGT!! -------------------
Freitag, 17. Februar 2017
Und wieder: Das Manottidil!
Nachdem wir jetzt schon Teil 1, Teil 2 und Teil 3 hinter uns gebracht haben, folgt nun allfreitäglich der nächste Teil, nämlich der
der Geschichte vom Manottidil und seiner Ehefrau:
----------------------------------------------FORTSETZUNG FOLGT -------------------------------------
vierte Abschnitt
der Geschichte vom Manottidil und seiner Ehefrau:
Der Kaufmann verließ im Hafen einer kleinen Insel, wo er Geschäfte zu tätigen hatte, das Schiff. Alsdann setzte er sich in eine Hafenwirtschaft und schrieb den folgenden Brief:
An den gnädigen Herrn Alessandro de' Medici, Herzog und Regent zu Firenze.
Allergnädigster Herr!
Ich erlaube mir, ein unbedeutender Kaufmann, diese Zeilen an euch zu richten in der Hoffnung und dem festen Vertrauen, in euch einen Freund und Förderer der ehrlichen Wissenschaften zu finden.
Auf meinen Reisen zwischen dem Land am Nile und den griechischen Inseln konnte ich die Entdeckung einer wunderseltsamen Creatur machen, solche nicht ich noch irgendjemand sonst auf dieser Welt gesehen. Es handelt sich um eine Art Crocodil, nur hiervon unterschieden darin, dass es wie ein Mensch auf zwei Beinen gehet, Kleidung trägt, in gottgefälligem Ehstande zu leben scheinet (sein Ehweib trägt den Namen Julisanda, so ich im Gespräche erfuhr, es selbst hingegen scheint ohne Namen zu sein), ein großer Kenner aller Künste, Materialen und Wissenschaften (sofern ich dies tauglich beurtheilen kann) und ausgezeichneter Freund guten Weines zu sein, von welchem ich mit besagtem Wesen zwei volle Krüge an Bord des Schiffes getrunken.Die Creatur redet, sie sei auf der Reise nach Italien befindlich und ich möchte in aller Bescheidenheit und Demuth die Ehre nicht missen, euch, Herr, diese Entdeckung anzeigen zu dürfen, aufdass man vorbereitet ist auf die Erscheinung des Wesens in den Feldern unseres Mutterlandes.(Wenn ich um eine große Gnadenhuld bitten dürfte, so wäre es diese, das Tier, so jenes Wesen ein Tier zu nennen ist, nach seinem treuen und allerdemüthigsten Entdecker, meiner Person zu benennen. Ich schlage somit vor, dies Wesen das „Manottidil“ zu nennen. Weiter schlage ich voller Treue vor, das Wesen zu inhaftieren, sobald es italienischen Boden betritt, um es weiter befragen und von Gelehrten untersuchen lassen zu können.
Mit Unterthänigkeit
Manotti
Den 22. Juli 2037
Man muss nicht erwähnen, dass das auf den Brief folgende Gelächter im Fürstenhaus nicht klein war. Der angeschriebene Alessandro soll, munkelt man, angeordnet haben, statt des Manottidils seinen frechen und offenkundig gemütskranken Entdecker zu inhaftieren, sobald er Florenz erreiche und bis hinunter zum letzten Küchenjungen schüttelte man energisch die Köpfe über den Brief, dessen Inhalt sich aufgrund seiner Exzentrizität sehr schnell herumgesprochen hatte.
Trotz allem hatte die Sache natürlich eine Wirkung: Vor den Sternen und der Erde, vor allen Bäumen, Geiern, Fischen in den Flüssen und vor den traurigen Gespenstern in den Klosterruinen dieser Welt hatte das Geschöpf, von dem diese Geschichte erzählt nun und für alle Zeit einen Namen: Das Manottidil.
3. Kapitel
Man schrieb den 4. Juli 1974 als das Dampfschiff im Hafen der Stadt San Giacomo anlegte. Die Sonne schien übertrieben auf die Szenerie hinunter und 70% der Mannschaft waren schwer betrunken.Als das Manottidil mit seiner lieben Ehefrau den Landungssteg betrat, schrie ein minderjähriger Knabe namens Casimiro, seines Zeichens Lakai und vorzüglicher Kartoffelschäler des Schiffskoches mit weinschwangerem Knabensopran: „Seht das Tier an! Ist das nicht ein Zeichen vor aller Welt? Wann hat Gott der Herr das letzte Mal ein solches Wesen vor einem Schiffsjungen aufmarschieren lassen! Lasst uns dieses Phänomen ehren! Wir benötigen einen neuen Titul für unsere schwimmende Insel!“Der Rest der nur in Teilen zurechnungsfähigen Besatzung war sofort entflammt angesichts der Idee des Buben. So kam es, dass besagtes Schiff eine weitere Namensänderung durchmachte und von diesem Tag an auf den Namen „Der Drache des Sankt Georg in den Lustgärten von Aleppo“ getauft war.San Giacomo war in diesen Tagen eine Stadt ganz der Mode der Zeit entsprechend in weihrauchschwangerem Cäsarenwahn versunken. Die Stadtplätze waren voll von wohlgeformten Jünglingen, meist Studenten an der örtlichen „Universität der großen Künste, Weltwissenschaften und andererley nutzhafter akademischer Disciplinae“. Diese verbrachten ihre Tage damit, selig auf die mythologischen Figuren der Renaissancebrunnen zu starren und sich wechselseitig für ihre neuesten Poeme mit Lorbeer zu krönen. Die Vorlesungen an besagter Universität fielen ohnehin größtenteils aus, da die Professores diese nicht selten einfach vergaßen, so verstrickt waren sie in allerlei intellektuelle und philosophische Kaffeehausgespräche, in das Schreiben ihrer Memoiren oder mindestens 200-seitiger Aufsätze für Zeitschriften, die direkt und ohne Umwege über unwissende Leser für die Archive der großen Bibliotheken gedruckt wurden.
Frau Julisanda und ihr Mann staunten nicht schlecht, als sie in der Nähe des Hafens einen Imbiss nahmen, welch eine beeindruckende Metropole des Geistes dort vor ihnen lag. Es öffneten sich zur Mittagszeit die Fenster kluger und elfenbeinbleicher Mädchen um ein Meer von Gesängen auf die Straßen zu spülen. Geschliffene Mezzosopranistinnen sangen da im Duett mit abgründigen Altstimmen, dann und wann tönte von irgendwoher ein Fortepiano, meist gespielt von einem der Welt abhanden gekommenen Professor, in virtuoser Güte. Wenn die Musik am schönsten war, kam nicht selten vom Meer hergezogen ein roter, mediterraner Wind, in dem sich hundertduzendweise Grashüpfer, Zitronenfalter, Seesterne und Blütenblätter verheddert hatten, und die nun mit dem Wind sich auf die Stadt legten. Ein Kellner stand da auf und sang folgendes Arioso in scheußlich tiefem Bass:
O Wind O Wind!Du bringst uns Sand und Mythenund GeschichtenDu trägst uns uns're Tage vor die Götterwelche richtenDie Welt, o Wind, ist flüchtig so wie duDas Leben ist ein kurzer Blitz inmitten ew'ger Ruh!O Wind O Wind! O Ew'ge Ruh!
„So ein Unsinn! Nie so dummes Zeug gehört. Der Kerl verdirbt ja die ganze Größe der Stunde!“ murrte das Manottidil, knallte mürrisch eine Münze auf den Tisch, um die Rechnung zu begleichen und zog seine Frau in eine der verwinkelten Gässchen San Giacomos, von wo aus beide eine Stadtbesichtigung zu beginnen trachteten.
----------------------------------------------FORTSETZUNG FOLGT -------------------------------------
Freitag, 10. Februar 2017
Nächste Runde des Manottidils
Weiter geht es mit der Saga vom Manottidil:
(Teil 1 und Teil 2 hier)
-------------------------------------FORTSETZUNG FOLGT!-------------------------------------------
(Teil 1 und Teil 2 hier)
2. KapitelZu der Zeit unserer Geschichte, oder kurz davor, war Venedig eine wichtige Größe im Mittelmeer was den Handel und das Transportieren von allerhand fernsüchtigen Reisenden anging. Die „Papst Laurux IV. und Siebenschläfer“ hatte in den Jahren seit ihrer Jungfernfahrt bereits einige tausend Seemeilen hinter sich gebracht. Datteln von Zypern nach Agios Nikolaos auf Kreta, Olivenöl von Athen nach Nizza, Die Lagerräume und Decks hatten Statuetten aus blassem, adeligem Marmor, Wein, Gewürze, Getreide, verschiedene Tiere und unzählige Reisende hin zu den mannigfachsten Zielen gesehen.Die Mannschaft der „Papst Laurus IV. und Siebenschläfer“ bestand größtenteils aus ehemaligen Insassen griechischer Besserungsanstalten und stark individualistischen Abenteurern, war eine struppig-bunte Mischung aus Menschen unterschiedlichster Herkunft und Überzeugung. Dementsprechend schwierig gestaltete sich auch der Alltag an Bord des Schiffes.Als eine der bemerkenswerten Eigenarten ist die Gepflogenheiten der Mannschaft zu erwähnen, in ungefähr jedem zweiten Hafen so lange die Arbeit ruhen zu lassen, bis der gerade diensthabende Kapitän einer Umbenennung des Schiffes zustimmte. Die Gründe, weshalb die Mannschaft dies immer wieder forderte, lag in der bereits angedeuteten Diversität der Ansichten unter den Seeleuten.Steuerte man beispielsweise eine griechische Insel in der Ägäis an, auf der noch die Dünste verjährten Heidentums zu schnuppern waren, konnte es gut sein, dass zehn Mann berauscht von dem Ambra der antiken Glorie aufsprangen und lautstark forderten, ihr Schiff möge fortan „Königin Iphimedeia im Tempel der Pallas Athene zu Mykonos“ heißen und dies so lange vehement vertraten, bis eine Umbenennung des Schiffes auch durchgeführt wurde. Kurz bevor das Schiff im Hafen der Stadt, in der die Reisen des Manottidil, von denen hier zu erzählen ist, ihren Ausgangspunkt hatten, eingelaufen war, hatte der Schiffsname beispielsweise noch „Heiliger Nikolaus von Myra“ und „Die von Zeus geraubte Europa“ gelautet, bis 70% der Mannschaft auf einer Insel ein katholisch angehauchtes Erweckungserlebnis hatten und das alte Namensspiel in eine neue Runde ging. Seit dem erstmaligen Inseestechen hatten aufgrund der besonderen Umstände demnach geschätzt 41 Kapitäne und 2 Kapitäninnen entnervt das Handtuch geworfen. Man munkelt, dass nicht wenige davon später Einsiedler geworden sind.Ein neuer Tag war angebrochen, milde Winde bliesen den vereinzelt an Deck des Dampfers stehenden Seereisenden ins Gesicht, eine Schubkarrenladung Delfine sprang hie und da aus dem Wasser, frustriert und gelangweilt von der stillen Einsamkeit der Unterwasserwelten.Seit Tagesanbruch war auch das Manottidil auf Deck, verfolgt von einem Rattenschwanz neugieriger Reisender, mit denen es eifrig palaverte, wissbegierig auf alle Geschichten über Geschehnisse auf dem Erdenrund.Unter den Diskutanten tat sich ein honoriger Großkaufmann aus Florenz besonders hervor, der ein wenig an den Neptun des berühmten Neptunbrunnens seiner Heimatstadt erinnerte.Wann immer das Manottidil einen Satz beendet hatte, gleichgültig zu welchem Thema, sprang genannter Kaufmann wie ein elastischer Schulbub auf und nieder und rief Dinge ähnlich wie „Trefflich! Gut gesagt!“, sodass nach einiger Zeit nicht wenige missbilligende Blicke ihn getroffen hatten.Seine rege Teilnahme, so muss man sagen, geschah nicht aus reinem akademischen Interesse. Wenn seine kaufmännischen Aktivitäten ihm die Zeit ließen, ging er seiner eigentlichen Passion, der Hobbyzoologie nach. Und in seinen kühnsten der kühnen Träume gelang ihm schlussendlich der Große Wurf: Eine neue Tierart, von ihm entdeckt, nach ihm benannt.Nur Gott und die Beamten zahlloser Fürstenhöfe wussten, wie viele tausend verschiedene im Unrat lebende Käfer, Würmer, Spinnen und Kröten der ehrwürdige Handelsmann, im falschen Glauben, nun erfolgreich gewesen zu sein, im Laufe seines Lebens bereits diversen Potentaten mit Widmung und Bitte um Kenntnisnahme zugeschickt hatte.Sollte nun der große Tag gekommen sein? Die Pulsfrequenz des Freizeitzoologen erreicht nie gesehene Spitzenwerte und endlich!, endlich! gelang es ihm durch das beherzte zur-Seite-schubsen zweier bayerischer Nudelholzkrämer direkt vor das Fabelwesen zu gelangen und ihm die Klaue zu drücken.„Gneeeeediger Härr!“ setze er an zu sprechen und klang dabei nicht unähnlich einer Ziege, die sich anschickt, sämtliche Sopranarien aus Händels Orlando gleichzeitig herunterzusingen. „Gneeediger Härr! Und nätürlich gnedige Damé! Wüührden sie mich unter Deeck in den Speisesaal begleiten? Gerne lüde ich Sie zu einer Suppe oder einer kleinen Erfrischung ein!“
Julisanda, der die Seefahrt guten Appetit bescherte, drückte ihrem Ehegatten energisch die Seite, aufdass dieser verstehen möge, was die Stunde geschlagen hätte. So setzte man sich denn unter Deck an einen Tisch, verzehrte mehrere Teller scharfer Suppe und leerte den ein oder anderen Krug besten Weins und war guter Dinge.
-------------------------------------FORTSETZUNG FOLGT!-------------------------------------------
Freitag, 3. Februar 2017
Freitags, die Rückkehr des Manottidils
Wie versprochen und angedroht, folgt nun der nächste Teil meines Buchs vom Manottidil:
(Teil 1 hier)
Fortsetzung:
(Teil 1 hier)
Fortsetzung:
Am
Rande
des
Flusses
lebte
zu
jenen
Zeiten
ein
seltenes
Wesen,
von
dem
ich
nun
erzählen
will.
Besagtes
Wesen
wurde
als
Manottidil
bezeichnet,
wie es dazu gekommen ist, das
erfahren
wir
noch
genauer.
Das
Manottidil,
das,
wenn man genau ist, zu
Beginn
dieser
Geschichte
noch
nicht
Manottidil
genannt
wird,
sah
einem
Krokodil
nicht
unähnlich,
nur
war
es
kleiner,
kräftig
geschuppt
mit
einem
gesunden,
rötlichen
Teint,
und
anders
als
bei
einem
Krokodil
flackerte
das
Irrlicht
milden,
freundlichen
Größenwahns,
wie
wir
ihn
bei
Museumsdirektoren
kurz
vor
der
Pensionierung
oder
malenden
Postboten
finden,
durch
sein
Angesicht,
wenn
besagtes
Manottidil
seinem
Gegenüber
bei
einem
Glas
maltesischen
Rotweins
tief
und
forschend
in
die
Augen
blickte
(was
jedoch
zu
damaligen
Zeiten
den
wenigsten
Menschen
passiert
sein
dürfte…).
Viele
Jahre,
wenn
nicht
Jahrzehnte,
hatte
das
Manottidil
unscheinbar
auf
einer
Sandbank
des
Flusses
gelebt,
kaum
beachtet
von
der
Welt.
Es
hatte
dort
seine
jetzige
Ehefrau
Julisanda
kennen
gelernt,
Hochzeit,
Hochzeitsnacht
und
Flitterwochen
hatten
ebenda
stattgefunden.
Mit
seiner
Lage
war
das
Manottidil
nicht
unzufrieden
gewesen
und
nie
wäre
es
auf
den
Gedanken
gekommen,
sich
zu
beschweren…
Eines
Tages, das Manottidil war soeben dabei, halluzinierend in seinen
gewohnten Nachmittagsschlaf zu versinken, ereignete sich folgende
folgenreiche Begebenheit:
Wie
eingangs
erwähnt,
pflegte
in
der
Stadt
große
Verwirrung
zu
herrschen,
und
Ideen
jeder
Farbe,
Form
und
Größe
waren
stark
nachgefragt im Volk.
Diese
Erscheinung
der
Mode
hatten
sich
findige
Buchdrucker
und
Verlage
zu
eigen
gemacht
und
entsendeten
regelmäßig
würdig
gekleidete
Herrschaften
dorthin,
um
Bücher
aus
Reihen
mit
klangvollen
Namen
wie
„Der philosphistische
Edelmann“,
„Mensch,
Natur
und
Weltall“,
„Gott
im
Ganzen“
oder
„Kant,
Montesquieu
und
andere
Scheußlikeiten“
feilzubieten.
Eben ein
solcher Vertreter spazierte, Herr Manottidil sah gerade einer
Schmeißfliege nach, die es für einen prachtvollen siebenfarbigen
Schmetterling hielt, am Flussufer rechts neben der Sandbank vorbei.
„Potz
Schlapperment!“
dachte
das
Manottidil,
„Ein
Hut,
ein
Anzug,
und
darunter
ein
Mensch!
Wollte
schon
immer
mal
probieren,
wie
so
was
schmeckt“.
Sprach’s
und
verzehrte
den
Vertreter,
der
auch
durch
sein
gewinnendstes
Verkäuferlächeln
die
Gnade
des
seltsamen
Geschöpfes
nicht
erhaschen
konnte
samt
einer
Werkausgabe
von
Winckelmanns
gesammelten
Schriften
zur
Kunstgeschichte,
Lemerys
„Vollständigem
Materialien-Lexicon“
und
einer
„Enzyklopädie
des
Weltwissens
in
4277
Bänden
samt
einem
Nachwort
von
Prof.
Dr.
Claudius
Augustinus
Seemann“,
als
Anhänger
feiner
Tischsitten
jedoch
nicht,
ohne
vorher
den
makellosen
Nadelstreifen-Anzug
von
der
unerwartet kommenden
Speise
zu
entfernen
und
diesen
feinsäuberlich
zusammenzulegen.
Aber!
groß
war
die
Reue
auf
solche
Tat…
Unser
Geschöpf,
normalerweise
strenger
Verfechter
von
Selbstzucht
und
maßvollen
Lebensstils,
konnte
seine
eigene
Impulsivität
kaum
fassen
und
lief
grübelnd
so
lange
am
Flussufer
auf
und
ab,
bis
man
die
so
entstandene
Linie
bis aus
dem
Weltraum
sehen
konnte, und manch
eine
in
diesem
Moment
an
der
Erde
vorbeisausende,
abergläubische
Sternschnuppe
mag
die
Striche
am
Ufer
so
für
einen
ägyptischen Zwilling
der
Nazca-Linien
gehalten
haben.
Es
war
bereits
Nacht
geworden,
als
sich
die
von
dem
Manottidil
als
Beilage
verzehrten
Buchstaben
und
die
von
ihnen
transportierten
Lehren
vom
Magen
ins
Gehirn
vorgearbeitet
hatten
und
dort
ihre
Wirkung
zu
entfalten
begannen…
Es
lief
mit
ungewohnt
festem
Schritt
zurück
an
die
Stelle
seines
nachmittäglichen
Mahles,
schlüpfte, erst
zögernd,
dann
immer
selbstverständlicher, in
die
feinen
Kleidungsstücke des unglücklichen
Verzehrten,
warf
einen
Blick
in
den
runden,
silbernen
Vollmond,
um
sich
in
den
Wassern
seiner
Mondmeere
zu
spiegeln
und
stellte
fest,
dass
es
so,
elegant
und
geschäftstüchtig
auf
zwei
Beinen
in
der
großen,
krummen
Welt
stehend,
einen
enorm
beeindruckenden
Anblick
darbot.
Nun
wurde
ihm
klar,
auch
unter
dem
Einfluss
der
nun
minütlich
stärker
wirkenden,
über
den
Magen
aufgenommenen
Bildungsinhalte,
dass
wohl hier
an
diesem
Fluss,
in
dem
Blechbüchsen
und
Bastkörbchen
trieben,
der
eher
braun
als
blau
war,
kein
Staat
zu
machen
war
und
die
Welt
das
Manottidil
geradezu
rief,
laut
und
klar,
und
im
Hintergrund
der
geisterhaften
Szenerie,
noch
hinter
den
neben
dem
Fluss
liegenden
Palmenhainen,
zogen
schwere
Wolken
auf
und
ein
Gewitter
entlud
sich
in
der
Ferne,
wie
zu
den
Zeiten
der
Titanen,
als
die
Götter
des
alten
Griechenlands
geboren
wurden.
Frau
Julisanda,
die
das
ungewöhnliche
Schauspiel,
welches
ihr
Ehemann
seit
dem
Nachmittag
aufführte,
kritisch
und
leicht
besorgt
beobachtet
hatte,
konnte
schließlich nicht
mehr
abwarten und sie
trat neugierig äugend
aus
dem
Schatten der Palmen heraus.
Ihr
Ehegemahl schaute immer noch gebannt und bezaubert in den
Nachthimmel, wo sich in den Meeren des Mondes sein Ebenbild
spiegelte. Als Herr Manottidil schließlich Notiz von seiner Frau
nahm, trat er einen wohldosierten Schritt nach vorne und setze mit
balsamischer Baritonstimme zu singen an:
„Die
Weltenkönigin ruft laut uns in die Lande zu spazieren
Und
heißt ein treues Bild zu machen uns von ihren Reichen
Sie
mahnt uns dies und jenes überall vergleichen
Von
hier
bis
wo
die
Wetterwinde Sinfonien
dirigieren!
Wir
wollen
uns
entsprechend
dann
in
Bälde
auch
besinnen
Und
nichts als Mut und Lust und Zuversicht gewinnen.“
Das
Manottidil
tat
dann ein
paar
beherzte
und
erstaunlich
grazile
Sprünge
und
zeigte
mit
seinen
Klauen
wie
ein
fröhlich Wahnsinniger
in
alle
Himmelsrichtungen,
wobei
es
munter die
Namen
„London!
Shang-Hai!
Budapest!
Ma-da-gaskar!“
ausrief,
als
wären
es
alte
Busenfreunde,
unterbrochen
nur
von
theatralisch
deklamierten
Zitaten
aus
Wilhelm
Müllers „Winterreise“.
Frau
Julisanda hatte sich inzwischen
abgesetzt und spazierte
einige
Schritte
den
Fluss
entlang.
Als
sie
zurückkam,
schüttelte
sie
nur
leise
seufzend
den
Kopf,
drückte
ihrem
Gemahl
die
Klaue
und
murmelte „Was auch immer,
aber ich begleite dich.“
Das
Geschöpf war nun guter Dinge. Ausgestattet mit Bildung,
Erdbeermarmelade, Thunfischkonserven, und mit einem sündhaft teuren
Nadelstreifenanzug fühlte es sich bereit zum Sprung in die große
Welt hinaus.
Voll
Schaffenskraft, Labkrautschwärmern, paranoider Echos
wonnemonatlicher Panikattacken, dem Hallen verschlafener
Priesterstimmen in Gespensterseminaren, packte es seine Taschen.
Noch
in
derselben
Nacht
durchhasteten
Frau
und
Herr
Manottidil
die
sogar
zu
dieser
Zeit
noch
tosende
Stadt,
wo
einige
Religionsgemeinschaften
gerade
hohe Feiertage
einläuteten.
Sie
wühlten
sich
durch
die
Menge
aus
Derwischen,
Priestern,
aufgehetzten
Gläubigen
und
Süßwarenverkäufern,
drängelten
Polizisten,
alte
Frauen
und
Taschendiebe
zur
Seite,
bis
sie
den
alten
Hafen
erreicht
hatten,
wo
sie
das
venezianische
Dampfschiff
„Papst
Laurus
IV.
und
Siebenschläfer“
bestiegen.
...................Fortsetzung folgt! .................................................................................................
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