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Donnerstag, 16. Juni 2022

Transfluthrin


𝗡𝗶𝗺𝗺 𝗮𝘂𝗳 𝗱𝗲𝗶𝗻 𝗙𝗲𝘂𝗲𝗿 𝗷𝗲𝘁𝘇𝘁, 𝘂𝗻𝗱 𝗴𝗲𝗵',
𝗛𝗲𝘂𝘁' 𝗯𝗿𝗲𝗻𝗻𝘁 𝗺𝗮𝗻, 𝗵𝗲𝘂𝘁𝗲 𝗳𝗹𝗮𝗺𝗺𝗲𝗻 𝗮𝗹𝗹𝗲
𝗛𝗶𝗻𝗮𝘂𝗳 𝘂𝗻𝗱 𝘂𝗲𝗯𝗲𝗿 𝗙𝗲𝗹𝗱𝗲𝗿, 𝘃𝗼𝗹𝗹𝗲𝗿 𝗝𝘂𝗻𝗶𝘀𝗰𝗵𝗻𝗲𝗲,
𝗜𝗺 𝗱𝘂𝗺𝗽𝗳𝗲𝗻 𝗦𝗰𝗵𝗮𝘁𝘁𝗲𝗻 𝗲𝗶𝗻𝗲𝗿 𝗱𝘂𝗻𝗸𝗹𝗲𝗻 𝗠𝗮𝗿𝗺𝗼𝗿𝗵𝗮𝗹𝗹𝗲.

𝗡𝗶𝗺𝗺 𝗮𝘂𝗰𝗵 𝗱𝗶𝗲 𝘃𝗶𝗲𝗹𝗲𝗻 𝗭𝘂𝗲𝗴𝗲 𝗱𝗲𝗶𝗻𝗲𝘀 𝗔𝗻𝗴𝗲𝘀𝗶𝗰𝗵𝘁𝘀
𝗨𝗻𝗱 𝗳𝗼𝗹𝗴𝗲, 𝗳𝗼𝗹𝗴𝗲! 𝗵𝗶𝗻 𝘇𝘂 𝗱𝗶𝗲𝘀𝗲𝗻 𝘀𝗰𝗵𝘄𝗮𝗿𝘇𝗲𝗻 𝗛𝗮𝗲𝗻𝗴𝗲𝗻,
𝗪𝗶𝗲 𝗦𝘁𝗿𝗮𝗵𝗹𝗲𝗻 𝗲𝗶𝗻𝗲𝘀 𝗴𝗿𝗼ß𝗲𝗻, 𝘂𝗻𝗴𝗲𝗯𝗼𝗿'𝗻𝗲𝗻 𝗟𝗶𝗰𝗵𝘁𝘀,
𝗗𝗶𝗲 𝘀𝗶𝗰𝗵 𝗱𝘂𝗿𝗰𝗵 𝗱𝗮𝘀 𝗲𝗿𝘀𝘁𝗮𝗿𝗿𝘁𝗲 𝗪𝗲𝗹𝘁-𝗔𝗹𝗹 𝗱𝗿𝗮𝗲𝗻𝗴𝗲𝗻.

𝗗𝗮𝘀 𝘄𝗮𝗿𝗲𝗻 𝗧𝗮𝗴𝗲! (𝗚𝗼𝗹𝗱𝗲𝗻, 𝗮𝗯𝗲𝗿 𝗻𝘂𝗿 𝗴𝗲𝗹𝗶𝗲𝗵'𝗻.)
𝗩𝗼𝗹𝗹 𝗪𝘂𝗻𝗱𝗲𝗿𝘄𝗮𝗵𝗻𝘀 𝘂𝗻𝗱 𝗽𝗿𝗮𝗰𝗵𝘁𝗱𝘂𝗿𝗰𝗵𝘄𝗶𝗿𝗸𝘁𝗲𝗿 𝗗𝗶𝗻𝗴𝗲.
𝗡𝘂𝗻 𝘀𝘁𝗼𝗰𝗸𝘁 𝗱𝗲𝗿 𝗛𝗶𝗺𝗺𝗲𝗹 - 𝗦𝘁𝗮𝗿𝗿 𝘃𝗼𝗿 𝗧𝗿𝗮𝗻𝘀𝗳𝗹𝘂𝘁𝗵𝗿𝗶𝗻,
𝗨𝗻𝗱 𝘀𝘁𝘂𝗺𝗺 𝗱𝗶𝗲 𝗦𝘁𝗲𝗿𝗻𝗲: 𝗦𝘁𝗮𝗵𝗹- 𝘂𝗻𝗱 𝗘𝗶𝘀𝗲𝗻𝘇𝘄𝗶𝗹𝗹𝗶𝗻𝗴𝗲.

 

 

Mittwoch, 8. Juni 2022

"Sanreiß"

 

Trafen uns am Südausgang
Wo die Sonne niemals untergeht
auf Werbetafeln.

Gingen vom Palmplatz
Zum Muschelfeld
Tranken Cuba Libre
aus Dosen.

Gingest zierlich durch Sand,
Nahmst plötzlich meine Hand...
Schwindlich wurds mir
Der Straßenlärm, wie
Meerrausch
Von fern, fern.

Dienstag, 26. April 2022

Niemals diese kaltblauen Apriltage


 

Ich vergesse niemals diese kaltblauen Apriltage
Unter Wolken und endlosen Wegen.
Vergesse nie diese Wege, voll blutigen Morgenrots.
Und nie die Ruinen des früheren Lebens.
Mir wird es einst sein, als hätte ich da
in Blei gelebt
Und in
welken Fliederbüschen;
in einer Welt unterm Fledermaushimmel:
ruhelos und zerzaust,
über
zerstückelte Straßen gespannt.

Doch wird mir einst so sein, als hätte es
diese Tage nie gegeben,
die leeren,
trüben,
kalten
Totgeburten einer zertrümmerten Welt.

Samstag, 17. Juli 2021

Wieder im Schreiben

Post

Habe mich dieser Tage seit langem mal wieder im Schreiben geübt. Zwei Texte sind entstanden:


Der Baron

Komm, wir besuchen den Baron, den alten Geist
Er lebt in einem Schloß aus Amethyst
Das abends in den Honighimmel weist
Der über alle Welt gebreitet ist

Und danach geh'n wir in den Kartenwald
Und üben uns dort in Vergessen
Der Kartenwald ist ewig und drei Tage alt
Und wird seit jeher vom Baron besessen

Denn der Baron hat Vieles in Besitz
Zu keinem Fest kommt er mit leeren Taschen
Aus dem Gesicht ragt seine Nase spitz
Den Waden schmeicheln bräunliche Gamaschen

In des Barons Regal, da steht ein Totenschädel
Er sagt, der wär' von seiner ersten Liebe
Die war ein zuckersüßes Himbeermädel
Mit dem er gern' auf seinem Landsitz bliebe

Doch freundlich ist er, der Baron
Die Leute sollen sagen, was sie wollen
Er war zu mir stets wie zu einem Sohn
Er richtet' mir den Schlips, geschickt, geübt
Sein Lachen füllt den Raum wie Donnergrollen


 

Eisenblaue Stunden

Eisenblau zieht eine Stunde her mit Glockenläuten
Die Stadt wird unten mundgerecht zertrennt
Die Menschen fahren fluchend nebenher aus ihren Häuten
Das Rathaus (und die Irrenanstalt!) brennt

Ein Hundsmond, halb wie eine Kaffeebohne
Fällt melodiös mit Glockenklang hinunter auf die Stadt
Im Hühnerbrühenhimmel murrt der Morgenstern
Der eine gold'ne Krone auf dem Haupte hat

Und rosenfein geh'n uns're Leben Hand in Hand
Wie manches delikate Morgenrot
Verbunden durch ein feingewob'nes Seidenband
Und vorsichtig genährt mit Zuckerbrot

Freitag, 30. Oktober 2020

Ich möchte nun auch...

 Ich möchte nun auch einmal etwas zu großer Dichtkunst beitragen und fröhlich das Gendersternchen verwenden (ja, denn auch ich bin ein guter Mensch und so weiter, was man durch das Satzzeichen jetzt auch schriftlich beweisen kann) und habe mich aus diesen Gründen dem Zusammendichten von allerhand Phrasen zum Thema "Seltsames bürgerschaftliches Engagement mit Elitefaktor" gewidmet. Aktuell niedergeschlagen hat sich das in einem Text namens "Tischgespräche in der Südstadt". Nachdem dieser fertig war, fand ich, dass er thematisch irgendwie mit einem meiner Texte, der schon etwas älter ist, nämlich "Ein vegetarischer Kongress" (von 2017) zusammenhängt. Daher stelle ich hier beide mal ein:


Ein vegetarischer Kongress

Langer Vortrag über Mensch und Welt
Gähnen, Nießen, Hörer flüchten,
Drängen, Rutschen, Zerren, einer fällt
In Ohnmacht, in ein Meer aus Plastikfrüchten

Ein Tisch, ein Spanferkel aus PVC
Man redet über Nahrungsmittelnormen
Schlappe Gespräche bei verwürztem Tee
Und wenig ausgefeilten Süßteigformen

Grüne Gedankenstürme sausen
Im Raum erhebt sich ein Geschwafel
Die schnelle Rede zwischen Rauch- und Kaffeepausen
Das Volk verödet an der Kaffeetafel

Langer Vortrag über Berg und Kies
Man geht im Thema in die Breite
Dürre Damen finden die Akustik mies
Und boxen bellend ihren Nachbarn in die Seite

Grüne Gedankenstürme sausen
Wie schwarzer Rauch aus großen Köpfen
Ein dicker Alter hält sich seinen Knödelbauch
Das Volk verödet an den Suppentöpfen

Ein Bärtiger berichtet mürrisch über Bienen
Die Hörerschaft glotzt müde und verbraucht
Die Halle wird von Lampenlicht beschienen
Und in ein schwüles Himbeerrot getaucht

Grüne Gedankenstürme sausen
Im Raum erhebt sich ein Geschwafel
Die schnelle Rede zwischen Rauch- und Kaffeepausen
Das Volk verödet an der Kaffeetafel

 

Tischgespräche in der Südstadt

Es trifft sich die Truppe in Kneipen
Es werden Ideen serviert
Man gibt sich gebildet und äußerst verschieden
Man lächelt und blinzelt pikiert
Und Rauschmittel werden gemieden
Bei Tischgesprächen in der Südstadt

So sitzt man an hölzernen Tischen
Und mümmelt Gerichte aus Kohl
So sitzt man und redet, von jüngsten Gerichten
Ein Saftschorlenbierglas klirrt hohl,
Ein Eitler zitiert aus Gedichten
Bei Tischgesprächen in der Südstadt

Die Runde verlegt sich aufs Hoffen
Und auf das Reifen der Zeit
Und auf die politische Lage
"Student*Innen" reden gescheit
Und stell'n das Gehörte in Frage
Bei Tischgesprächen in der Südstadt

Man drängt nun: man müsse was machen
Man teilt tausend Flugblätter aus
"Heraus nun zum Kampf um die Straße!"
Man rutscht auf dem Holzboden aus
Und stößt sich am Ausgang die Nase
Bei Tischgesprächen in der Südstadt

Montag, 22. Juni 2020

Frank Wedekind - Christine



Bessern soll ich mich? – O Himmel,
Wie werd’ ich wohl besser!
Eher reiten schwarze Schimmel
Weiße Menschenfresser,
Eh’ daß solch ein Kauz wie ich

In sich geht und bessert sich.

Nein, mein Fräulein, ich verzichte
Auf die Tugendpalme;
Schreibe meine Mordgedichte

Tief im Tabaksqualme,
Bis der Satan kommt und spricht:
Fort mit dir, du Bösewicht!

Ja, der Teufel wird mich holen
Früher oder später,
Und ich Ärmster muß verkohlen
Unter Schmerzgezeter;
Haut und Haar und Fleisch und Bein,
Alles muß gebraten sein.


Sie indessen wandeln lieblich
In der Engel Scharen,
Blumen tragend, wie dort üblich,
In gelockten Haaren,
Und das ganze Angesicht
Angestrahlt vom Himmelslicht.


Sehn Sie nun, wie weit geschieden
Unsre beiden Pfade:
Ihnen eines Gartens Frieden,
Mir die Barrikade,
Wo man sich bei jedem Schritt
Auf die Hühneraugen tritt.

Ihnen freundliche Erbarmung,
Mir der Waffen Blinken
Und des wilden Bärs Umarmung,
Ihnen seine Schinken,
Mir des Feinds entmenschter Streit,
Ihnen seine Menschlichkeit!

- Frank Wedekind: Christine



Sonntag, 22. Dezember 2019

Wintersonnenwende

 Winterlicht



Um die Zeit der Sonnenwende
Ging der Winter auch zu Ende.
Mit dem Frühling wuchs der Tag,
Mit dem Tage wuchs mein Lieben,
Und ich sah in Hof und Hag,
Wie die Zweige Blüten trieben.

Um die Zeit der Sonnenwende
Ging der Sommer auch zu Ende.
Mit dem Winter wuchs die Nacht,
Mit der Nacht wuchs auch mein Lieben,
Denn in meines Herzens Schacht
War es Frühlingstag geblieben.


- August Heinrich Hoffmann von Fallersleben -


 

Mittwoch, 6. November 2019

Muth

Winter 2017



𝔉𝔩𝔦𝔢𝔤𝔱 𝔡𝔢𝔯 𝔖𝔠𝔥𝔫𝔢𝔢 𝔪𝔦𝔯 𝔦𝔫’𝔰 𝔊𝔢𝔰𝔦𝔠𝔥𝔱,
𝔖𝔠𝔥𝔲̈𝔱𝔱𝔩’ 𝔦𝔠𝔥 𝔦𝔥𝔫 𝔥𝔢𝔯𝔲𝔫𝔱𝔢𝔯.
𝔚𝔢𝔫𝔫 𝔪𝔢𝔦𝔫 ℌ𝔢𝔯𝔷 𝔦𝔪 𝔅𝔲𝔰𝔢𝔫 𝔰𝔭𝔯𝔦𝔠𝔥𝔱,
𝔖𝔦𝔫𝔤’ 𝔦𝔠𝔥 𝔥𝔢𝔩𝔩 𝔲𝔫𝔡 𝔪𝔲𝔫𝔱𝔢𝔯.

ℌ𝔬̈𝔯𝔢 𝔫𝔦𝔠𝔥𝔱, 𝔴𝔞𝔰 𝔢𝔰 𝔪𝔦𝔯 𝔰𝔞𝔤𝔱,
ℌ𝔞𝔟𝔢 𝔨𝔢𝔦𝔫𝔢 𝔒𝔥𝔯𝔢𝔫
𝔉𝔲̈𝔥𝔩𝔢 𝔫𝔦𝔠𝔥𝔱, 𝔴𝔞𝔰 𝔢𝔰 𝔪𝔦𝔯 𝔨𝔩𝔞𝔤𝔱,
𝔎𝔩𝔞𝔤𝔢𝔫 𝔦𝔰𝔱 𝔣𝔲̈𝔯 𝔗𝔥𝔬𝔯𝔢𝔫.

𝔏𝔲𝔰𝔱𝔦𝔤 𝔦𝔫 𝔡𝔦𝔢 𝔚𝔢𝔩𝔱 𝔥𝔦𝔫𝔢𝔦𝔫
𝔊𝔢𝔤𝔢𝔫 𝔚𝔦𝔫𝔡 𝔲𝔫𝔡 𝔚𝔢𝔱𝔱𝔢𝔯!
𝔚𝔦𝔩𝔩 𝔨𝔢𝔦𝔫 𝔊𝔬𝔱𝔱 𝔞𝔲𝔣 𝔈𝔯𝔡𝔢𝔫 𝔰𝔢𝔦𝔫,
𝔖𝔦𝔫𝔡 𝔴𝔦𝔯 𝔰𝔢𝔩𝔟𝔢𝔯 𝔊𝔬̈𝔱𝔱𝔢𝔯.


aus: Die Winterreise von Wilhelm Müller
("Muth!")


Samstag, 12. Oktober 2019

Ich sah den Wald sich färben.


Ich sah den Wald sich färben,
Die Luft war grau und stumm;
Mir war betrübt zum Sterben,
Und wußt' es kaum, warum.

Durchs Feld vom Herbstgestäude
Hertrieb das dürre Laub;
Da dacht' ich: deine Freude
Ward so des Windes Raub.

Dein Lenz, der blütenvolle,
Dein reicher Sommer schwand;
An die gefrorne Scholle
Bist du nun festgebannt.

Da plötzlich floß ein klares
Getön in Lüften hoch:
Ein Wandervogel war es,
Der nach dem Süden zog.

Ach, wie der Schlag der Schwingen,
Das Lied ins Ohr mir kam,
Fühlt' ich's wie Trost mir dringen
Zum Herzen wundersam.

Es mahnt' aus heller Kehle
Mich ja der flücht'ge Gast:
Vergiß, o Menschenseele,
Nicht, daß du Flügel hast!

Emanuel Geibel: "Ich sah den Wald sich färben"




Freitag, 24. Mai 2019

Freitag, 5. April 2019

Eine ganz besond're Luft

Eine ganz besond're Luft

Der Monat rennt zur Tür hinaus
Zu folgen seiner Vogelspur
Die Liebe liegt im Warenhaus
Dort neben Mülheim an der Ruhr

Die Katzen zucken auf dem Dach
Wir trinken Kerosin und Korn
Wir denken viel, sind lange wach
Und werden täglich neu gebor'n


Aus Morgenwiesen steigt der Dampf
Die Stadtgehirne voller Dunst
Herr Amor leidet Wadenkrampf
Die Zeitungen sind voller Kunst

Wir atmen ganz besond're Luft
Verlassen nur spätnachts das Haus
Wir hören, wie ein Hohes ruft
Wir rauben Apotheken aus

Der Regen klopft die Dächer krumm
Ein Stürmen räumt die Herzen leer
Frau Venus im Solarium
Entsteigt dem Plastikbechermeer

Wir atmen ganz besond're Luft
Verlassen nur spätnachts das Haus
Wir hören, wie ein Hohes ruft
Wir rauben Apotheken aus


...neulich erschaffen! Schönen Freitag!

Montag, 11. März 2019

Mit fester Hand




Der Schneewind packt mich jäh von vorn,
Mein Schlitten knirscht im schnellen Lauf,
Genüber streckt sein fahles Horn
Der wolkenblasse Eiger auf.

Ein kühler Siegesmut erfaßt
Mein Herz mit unbekannter Lust,
Als trüg ich eine werte Last
Von Stolz und Glück in meiner Brust.

Was noch von Krankheit in mir schlief,
Ich riß es es aus mit fester Hand
Und warf es lachend steil und tief
Hinunter ins verschneite Land.


Hermann Hesse: Schlittenfahrt

Samstag, 1. Dezember 2018

Viech

Die Kreativität ist ein komisches Viech. Ich kann sie stundenlang, tagelang, gar wochen- und monatelang herbeischreien, aber sie kommt nicht. "Nö, keine Zeit. Muss gerade meine Wohnung renovieren.". Und dann sitze ich da irgendwo herum, wo wirklich (möchte man meinen) kein Raum für Kreativität besteht, und plötzlich fällt mir etwas ein. So passiert gestern als ich plötzlich den Text Somerton-Mann/Nachts am Strand geschrieben habe.

Samstag, 11. August 2018

Alles und Eines

Jetzt wird es hier vielleicht etwas "heidnisch". Man verzeihe mir das.
Momentan lese ich neben anderen Büchern "Anam Cara" von John O'Donohue. Er setzt sich da auch mit dem Bewusstsein auseinander, dass wir als Menschen rein vom Gesichtspunkt der Bestandteil ja auch aus "Erde" (ich verwende "Erde" vereinfachend als Chiffre für eben die Elemente, aus denen alles hier und im Universum besteht) sind, daher auf wundervolle Weise in Verbindung mit der uns umgebenen Natur stehen. Wir sind, so interpretiere ich O'Donohue, ein Teil der Natur, in dem sie Bewusstsein erlangt, in dem sie die von ihr herbeigesehnte Möglichkeit entwickelt, Ausdruck zu finden und sich selbst zu betrachten. Schon den Gedanken, dass der Mensch auch "Erde" ist, finde ich nun nicht ganz unbiblisch. Ergänzend sei gesagt, dass O'Donohue ja jetzt kein heidnischer Esoteriker war, sondern zumindest eine Zeit seines Lebens katholischer Priester (genauer: Jesuit) gewesen ist.
Wenn man den Teil mit der sich selbst erkennenden Natur hier in diesem Abschnitt noch um "Gott erkennend" ergänzt, wäre das auch nicht falsch.
Im entsprechenden Abschnitt von "Anam Cara" zitiert der Autor noch ein Gedicht eines frühen irischen Dichters namens Amairgean. Dieses möchte ich gerne teilen. Weiterhin habe ich das nun folgend angeführte Gedicht beim Bedenken in Verbindung gebracht mit einem weiteren Gedicht von Arthur von Wallpach, das Sturmpercht auch vertont haben. Ich finde es teilweise ähnlich in seiner Gedankenwelt. Ich stelle nun beide Gedichte nebeneinander und hoffe, sie mögen dem Leser Freude und gute Gedanken bringen.


Ich bin der Wind, der auf die See atmet
Ich bin die Woge des Ozeans,
Ich bin das Murmeln der Wellen,
Ich bin der Stier der sieben Kämpfe,
Ich bin der Geier auf den Felsen,
Ich bin ein Strahl der Sonne,
Ich bin die lieblichste Pflanze,
Ich bin der wilde Eber in seinem Mut,
Ich bin der Lachs im Wasser,
Ich bin ein See in der Ebene,
Ich bin ein Wort des Wissens,
Ich bin die Spitze des Speeres in der Schlacht,
Ich bin der Gott, der das Feuer im Kopf erschuf.


(J. O`Donohue "Anam Cara", Deutscher Taschenbuch Verlag München,
20. Auflage 2012, S. 114, n. d. engl. Übersetzung durch P. Murray)




Ich bin vom Blut der Heiden
Und kann die Gottnatur
In Gut und Schlecht nicht scheiden:
Sie ist mir Eines nur.

Ihr prägt viel tausend Namen,
Zerlegt bis zum Atom,
Doch alles ist ein Samen,
Ist eines Lebens Strom.

Die Weltenseele schweben
Fühl ich im Tropfenfall,
Im linden Wipfelbeben,
Im Wetterwiderhall.

Sie grub im Vorweltschweigen
Am Fels die Runenschrift,
Flüstert im Blumenreigen
Der freien Alpentrift.

Sie singt im Föhnsturmbrausen
Vom Aufersteh`n der Saat,
Sie ruft im Sturzbachbrausen:
Erlösung ist die Tat!

Ich hab mich selbst gefunden
In jeder Kreatur,
Bin unlösbar verbunden
Ein Teil der Allnatur.

Ein Funken, nie verknistert
Bin ich vom Urlichtschein,
Von Ewigkeit verschwistert
Mit Wald, Getier und Stein.


(Arthur v. Wallpach, Tirol, ca. 1900)



Freitag, 20. Juli 2018

Neues von Max Alfred Vogel

Der mir freundlicherweise zur Verfügung gestellte Scan des Titelblattes


Schon vor einiger Zeit schrieb mir Volker Krötz mit einem weiteren Hintergrunddetail zum Leben des Dichters Max Alfred Vogel. Herr Krötz besitzt eine Ausgabe des von Vogel im Verlag D. W. Callwey München erschienen Gedichtbandes, auf dessen Titelblatt der Dichter Hermann Plagge, aus dessen Nachlass der besagte Gedichtband stammt, handschriftlich Vogels Geburtsort notiert hat.
Demnach soll Vogel in Pirna geboren worden sein. Eine weitere Notiz hinsichtlich (heute: Bad) Schandau an der Elbe konnte weder Herr Krötz noch meine Wenigkeit mit Sicherheit entziffern.

An dieser Stelle nochmal vielen Dank für die Information an Herrn Krötz!

Montag, 2. Juli 2018

Selige Sehnsucht


Sagt es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet,
Das Lebend’ge will ich preisen,
Das nach Flammentod sich sehnet.


In der Liebesnächte Kühlung,
Die dich zeugte, wo du zeugtest,
Überfällt dich fremde Fühlung,
Wenn die stille Kerze leuchtet.


Nicht mehr bleibest du umfangen
In der Finsternis Beschattung,
Und dich reißet neu Verlangen
Auf zu höherer Begattung.


Keine Ferne macht dich schwierig,
Kommst geflogen und gebannt,
Und zuletzt, des Lichts begierig,
Bist du Schmetterling verbrannt.


Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde. 

(J. W. v. Goethe) 


Sonntag, 10. Juni 2018

Das verloren Land

Das verlorne Land

Ein goldnes Zauberland
Denk ich mir noch in Träumen,
Von Morgenroth umspannt,
Voll Blüthen an den Bäumen.

Wie wiegt die Seele schön
Sich dann auf Rosenschwingen!
Wie in dem Land der Fee'n,
Von dem die Dichter singen.

Einst war ich kurze Zeit
In diesen seel'gen Auen;
Nun aber bin ich weit
Kann sie nicht wieder schauen.

Ein dunkler Wolkenflor
Die Auen rings umsähet
Und auch die Wege vor
Sind durch den Schnee verwehet.

(Heinrich Beitzke)

Sonntag, 6. Mai 2018

Neues aus meiner Schreibwerkstatt

Erneut etwas im Rahmen meines Schreibprojektes geschrieben.

In der Klamm

Diamantharte Felsen in Schluchtenhänge gedrückt,
dazwischen fließt grünlicher Wasserstrom dahin,
hier und da, schimmernd, wie eine Schlange
in diesem rauen Paradiesgarten.

Der Duft großer Fichten, es funkeln die hellgelben Flügel
der Falter, die da in dem Zwielicht zwischen Wipfeln wogen.
Moos und wilder Beerenstrauch, Eberesche,
dort struppiger Strauch und, fast Nussgarten, ein Haselgestrüpp.

Raues Paradies zwischen den Steinen im Waldesdunkel
- Wo ist Adam? Wo ist Eva?
Nur das lyrische Auge, ätherisch,
stört die Szenerie.

Montag, 23. April 2018

Schreibwerkstatt

Derzeit: eher schön.

 
Heute habe ich wieder einen Text in meiner Schreibwerkstatt hergestellt. Da auch dieser Text sachzweckgebundne ist, kann ich ihn vorerst leider auch nicht hier vorstellen...

Guten Wochenstart!

Dienstag, 17. April 2018

Schreibprojekt

Heute war ich vergleichsweise produktiv in meiner kleinen Schreibwerkstatt. Zwei Texte haben meine Werkbank verlassen, wovon ich einen im Anschluss präsentieren werde (der zweite Text ist zweckgebunden und kann daher nicht einfach so vor Erreichen des Zwecks gezeigt werden).

Hintergrund ist, dass ich mir neulich so dachte, dass ich gerne wieder mehr schreiben würde. Habe zum Beispiel ein Buch entdeckt, für das ich vor 11 Jahren einen Text beisteuern durfte, auch ein Literaturmagazin, und irgendwie hat mir das Lust auf Texten gemacht!

Nun kam natürlich der Standardgedanke: "Aber ich habe ja momentan gar keine gute Idee!". Diesem aber bot ich auf diese Weise Widerstand, als ich erklärte, es sei ein vollkommen dummer Gedanke, man müsse immer eine gute Idee haben, eine Art Inspiration vom Himmel herab (oder so), die man dann im entgrenzten Musenwahn zu Papier bringen könne. Ich wiederhole: ein vollkommen dummer Gedanke! Und zwar deswegen, weil Schreiben wie jede Kunst oder jedes Handwerk mit Arbeit zusammenhängt. Vielleicht gibt es sie, diese Gottbegnadeten, die auf hohem Turme sitzend geistreiche Zeile nach geistreicher Zeile 24 Stunden am Tag, sonntags sogar 48 Stunden am Tag, fabrizieren... aber ich denke, dass die meisten Leute, die irgendeine Kunst oder irgendein Handwerk ausüben, dafür arbeiten müssen. Talent ohne Arbeit bleibt ergebnislos. Und Ideen können sich auch als ziemlich mau herausstellen. Daher plädiere ich dafür, die Schreiberei mit nüchterner Arbeitsethik anzugehen. Klar, Freude daran schadet nichts, inspirierende Gedanken und Umstände sind auch toll, aber man muss auch arbeiten wollen. Und man sollte sich auch nicht einbilden, der nächste Petrarc zu werden. Man munkelt, solche Ansprüche seien auch schädlich.

So entschied ich also, mir ganz methodisch aufzuerlegen, jede Woche mindestens einen Text zu schreiben. Egal, was dabei rauskommt. Dieser Gedanke, dass das Resultat immer ganz toll und ausgegoren sein muss, den habe ich jetzt erstmal fristlos entlassen. Umsomehr bin ich gespannt, was vielleicht, wenn ich dabei bleibe, so entsteht.

So. Bühne frei für das erste Werk:

Die Nacht mit ihren Nelkenfarben geht
Die Nacht mit ihren Nelkenfarben geht,
Willkommen, Morgen, willkommen
Wind, der du durch Wildkirschbäume gehst, den Sturm antäuschend
im sanften Spiel; auch du, Summen und sich-Regen im Gras, willkommen!

Nun steigt die Morgensonne an, und auf den Spiegel des Wassers fällt endlich auch ein ruhiges Spiegelbild der hohen Uferbäume.