Freitag, 27. Mai 2016

Alternativgeschichte. Heute: Kalter Krieg

Beim stöbern im Netz bin ich auf diesen (klick mich!) Artikel gestoßen. Hier hat sich jemand eine Version des "kalten Krieges" ausgedacht, in der die Staaten des Ostblocks am Ende als "Sieger" (zu der Frage, ob jemand den kalten Krieg gewinnen kann, bitte den Artikel lesen!) dastehen, und die USA ein an Russland in den 90er Jahren erinnerndes Schicksal ereilt.
Dieses kleine Gedankenspiel hat mich nach dem Lesen so amüsiert, dass ich mich kurzerhand dazu entschlossen habe, mir eine an diesen Abschnitt alternativer Weltgeschichte angelehnte Geschichte Westdeutschlands bzw. Europas während des kalten Krieges auszudenken, die ich im folgenden skizzieren will. Um nicht zu viele Fragezeichen beim Lesen in den Augen zu bekommen, empfiehlt sich das vorhergehende Lesen des oben verlinkten Artikels.

Und hier nun die Geschichte: (vielleicht finde ich noch ein paar frei verwendbare historische Fotos, die ich irreführend aus dem Kontext reißen und in meine Geschichte im Artikel einfügen kann)

  • 1945-1950
Gesamteuropa und Westdeutschland: Nach dem Sieg von Robert Taft bei den US-Präsidentschaftswahlen verfolgen die USA nach Ende des zweiten Weltkrieges einen außenpolitischen Kurs der Nichteinmischung. Die amerikanischen Soldaten werden in diesen Jahren schrittweise und konsequent aus Europa zurückgezogen. Im Nachkriegsdeutschland entstehen drei drei Besatzungssektoren: der französische Sektor, der britische, und der sowjetische Sektor.
Zügig werden im Westen die BRD sowie im Osten die DDR etabliert. Die Westmächte forcieren die Gründung einer westdeutschen Armee, die nach der Gründung schnell aufgebaut und aufgerüstet wird. Die DDR zieht mit Gründung der Nationalen Volksarmee gleichauf.

Griechenland: Der griechische Bürgerkrieg (1946-1949) endet mit dem Sieg der Kommunisten. Griechenland wird infolgedessen ein sozialistisches Land. Gleichzeitig in der Türkei stattfindende Unruhen schüren in Westeuropa Ängste vor einer weiteren Ausbreitung des Kommunismus.

  • März 1950
Als Reaktion auf den Sieg der Kommunisten in Griechenland und durch weltweite Erfolge sozialistischer Parteien geschürte Ängste unterzeichnen in Kopenhagen die Staaten Dänemark, Großbritannien, Deutschland (West), die BeNeLux-Länder, Finnland, Norwegen, Italien, Island und Portugal den Vertrag von Kopenhagen, der eine gemeinsame Verteidigungspolitik und Unterstützung im Falle eines Angriffs aus dem Ostblock vorsieht.

Gleichzeitig wirbt der Westen um die Ostblockländer als Wirtschaftspartner und praktiziert einen Kurs der Entspannung bzw. phasenweisen Beschwichtigung.

  • 1952
Ostblock: Unterzeichnung des Warschauer Vertrags durch Vertreter Albaniens, Griechenlands, der DDR, Polens, Ungarns, der Sowjetunion, der Tschechoslowakei sowie Bulgariens und Vereinbarung gegenseitiger Militärhilfen.

Fallschirmjäger der NVA


  •  1950er Jahre
Im Zuge der Entkolonialisierung entstehen weltweit weitere sozialistische Staaten, die den Handel mit der UdSSR sowie den übrigen Ostblockstaaten aufnehmen. Zusammen mit der günstigen gesamteuropäischen Wirtschaftsentwicklung führt dies zu gutem Wachstum der Wirtschaft in den Staaten des Ostblocks. Auch politisch finden günstige Entwicklungen statt. Nach Stalins Tod am 05.03.1953 führen die meisten sozialistischen Ländern schnell einige Reformen hin zu mehr wirtschaftlichen und politischen Freiheiten durch.

Am 17. Juni 1953 kommt es in der DDR zu massenhaften Protesten. Die Menschen fordern bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne und mehr Freiheit. Es kommt in der Folge zu Verhandlungen mit der SED-Führung, an deren Schluss ein Paket von Maßnahmen geschnürt wird, die in der DDR zu einem "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" führen. Nichtsdestotrotz kann nicht von einer freiheitlichen Gesellschaft gesprochen werden und die Bürger der DDR sowie auch der restlichen Staaten des Ostblockes werden weiterhin bevormundet und leben mit Überwachung durch den Staat.

Die wirtschaftlichen Reformen (Integration von privatwirtschaftlichen Elementen in das Wirtschaftssystem, bessere Anreize zu Leistung und Eigeninitiative) führen in den 50er Jahren zu einer in dieser alternativen Geschichte besser verlaufenden wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung. Die DDR-Grenze wird, da wegen höherer gesellschaftlicher Zufriedenheit und besserer Versorgung mit Konsumgütern keine Massenflucht stattfindet, nur schwach befestigt.

  • 1960er Jahre
In Westdeutschland kippt die Stimmung von einer eher kooperativen Einstellung hin zu den Ostblockstaaten zu einem Konkurrenzdenken und Gefühlen der Angst. Hintergrund ist die Ausbreitung des sozialistischen Gesellschaftsmodells in Afrika, Asien und Südamerika. Wirtschaftliche Kooperationen werden teilweise eingeschränkt weiterbetrieben, teilweise ganz abgebrochen.

Ein Tiefpunkt ist der Beginn eines militärischen Engagements von Frankreich, Großbritannien und Westdeutschlands in Indochina, nachdem dieses ebenfalls kommunistisch zu werden droht.

Eine Reihe von neuen Gesetzen führt in Westdeutschland zu einem eher repressiven Gesellschaftsklima. Dagegen begehren ab Mitte der 60er Jahre Gruppen von Studenten und Auszubildenden auf. Es kommt zu Demonstrationen im ganzen Bundesgebiet. Auch kulturell möchte man sich von den als verkrusteten empfundenen Traditionen und Gebräuchen befreien. Der Staat reagiert hierauf mit harten Maßnahmen. Eine Reihe von Gerichtsverfahren gegen Protagonisten der jungen Szene machen Schlagzeilen. Demonstrationen werden teilweise gewalttätig beendet.
Viele junge Menschen sind nach den Bundestagswahlen 1969 enttäuscht, als Franz Josef Strauß zum Bundeskanzler gewählt wird. Seinen Wahlkampf führte er mit dem Versprechen, Schund, Schmutz und vermeintliche kommunistische Einflußnahme und Propaganda mit aller Härte zu bekämpfen.



Proteste auf der Straße


In den Folgejahren setzt sich unter den gesellschaftlich engagierten Jugendlichen die Erkenntnis durch, unter Strauß keine Neuerungen durchsetzen zu können. 

U. a. folgende Regelungen finden Eingang in die Gesetze der damaligen Bundesrepublik:
- Verlängerung der Legislaturperiode von 4 auf 7 Jahre
- Verschärfung des Jugendstrafrechts
- Erleichterung der Ausrufung des Notstands
- Einschränkung des Rechts auf Meinungsfreiheit bei Äußerungen, bei denen Parteinahme für ausländische Mächte unterstellt wird
- Einschränkung des studentischen Mitbestimmung an den Universitäten
- Demonstrationen werden regulär nur noch auf speziell dafür vorgesehenen Plätzen ("Rednerplätze") unter oft beinahe schikanösen Auflagen gestattet


Westdeutsche kommen in die DDR
 Das Gesellschaftsklima wird in den Strauß-Jahren von vielen als derart bleiern und lähmend empfunden, dass nicht wenige Protagonisten der anfänglichen Studentenrevolte und liberale Bürger das Land verlassen. Beliebte Auswanderungsländer sind z. B. Schweden, Österreich, Italien, West-Berlin, das aufgrund einer Sonderstellung z. B. Freiheit vom Wehrdienst in Indochina bietet, oder aber die DDR. Diejenigen unter Strauß´ Kritikern, die sich als Sozialisten verstehen, hoffen dort die Erfüllung ihrer Vorstellungen zu finden. Einige machen Karriere in der SED oder in der realsozialistischen Wirtschaft.







  • 1970er Jahre ("Unmut, Terror, Bürgerrechte")
Im Osten Europas gehen die Dinge in den 70ern einen geregelten Gang. Die sozialistische Wirtschaftsweise offenbart zwar deutlich erkennbare Schwächen, im Gesamtbild können die Mängel aber aufgrund der guten Voraussetzungen des internationalen Handels mit den "sozialistischen Bruderrepubliken" auf der ganzen Welt ausgeglichen werden. Auch kommt Fachwissen durch den Zuzug einiger westlicher Akademiker, die von der autoritären "Strauß-Republik" frustriert die BRD verlassen haben.

Anders im Westen. Nachdem es nahezu unmöglich geworden ist, ohne Hemmschuhe aus der Verwaltung seine Meinung öffentlich und organisiert zu bekunden, steigt bei einigen Gruppen von Oppositionellen Frust und Wut. Der Krieg in Vietnam, in den die Bundesrepublik verwickelt ist, schürt zusätzlich Unmut und Widerwillen. Es wird konspirativ sogar schon zu Gewalt gegen den Staat aufgerufen. In mehreren Städten werden nachts Polizeiautos angezündet und Parolen an Wände geschrieben. Der Staat reagiert in der gewohnten Weise und es kommt zu Verhaftungen, die wiederum die Wut der Betroffenen anstacheln.

Hier tritt die Führung in Ostdeutschland auf den Plan. Der Geheimdienst stellt Kontakte zu den gewaltbereiteren der Strauß-Gegner her und versorgt diese mit Material für Sprengsätze und mit Schusswaffen. In der ersten Hälfte der 70er tritt plötzlich das Phänomen des Terrorismus auf die Tagesordnung. Versuche der westdeutschen Sicherheitskräfte, die Täter und ihre Hintermänner schnell zu stellen erweisen sich, auch aufgrund der ausgefeilten Tarnung und Logistik durch den ostdeutschen Geheimdienst, als nur teilweise erfolgreich. Tatsächliche oder vermeintliche Unterstützer des Terrorismus werden von der westdeutschen Polizei nun scharf überwacht und unter Druck gesetzt. Es herrscht ein Klima der Angst, Angst vor Anschlägen durch linke Terroristen, Angst vor unberechenbaren Maßnahmen der Polizei auf der anderen Seite.

Eine Sonderentwicklung nimmt währenddessen West-Berlin.
Anfang der 70er bilden sich dort verschiedene politische Gruppen, die sich für Freiheitsrechte, gegen den Krieg in Vietnam/Indochina und eine Neuordnung des Status von West-Berlin einsetzen. Bekannte Gruppen sind die Bürgerrechtsbewegung Berlin (BBB) und die Initiative Freie Stadt Berlin West (IFBW). Ziel ist die Ausweitung des Berliner Sonderstatus bis hin zur Loslösung West-Berlins von der Bundesrepublik und Ausrufung eines Stadtstaats.

Das Brandenburger Tor mit Blick von Osten her
Die Behörden in West-Berlin sind zwar aufgrund der speziellen Lage in Berlin weniger repressiv als Polizei und Strafverfolgung in Westdeutschland, die Aktivisten stoßen nichtsdestotrotz auf starken Widerstand.

Auch hier macht sich die DDR die Lage zunutze und unterstützt die junge Bürgerrechtsbewegung logistisch und materiell.

Einige derer, die bislang friedlich aktiv waren, gehen auch hier in den Untergrund und beginnen, den Staat mit Gewalt zu bekämpfen. Die 70er Jahre in Berlin sind wie in der Bundesrepublik geprägt von Terroristenfahndung und Anschlägen auf Einrichtungen des Staates sowie auf Personen.

Bei den Bundestagswahlen im Jahr 1976 gewinnt erneut die CDU/CSU und Franz Josef Strauß kann eine zweite Amtszeit als Bundeskanzler antreten.

In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre tritt ein Wandel ein. Der Krieg in Vietnam erweist sich als nicht mehr zu gewinnen, der Militäreinsatz hat Unsummen verschlungen, Ölkrise und das repressive Gesellschaftsklima tun ihr übriges: Es kommt in der Bundesrepublik zu einer schweren Wirtschaftskrise.
Frankreich und Westdeutschland ziehen sich im späten 1977 endgültig aus Vietnam zurück, das damit zu einer Volksrepublik wird.

Im sozialistischen Teil Europas haben weitere marktwirtschaftliche Reformen und Liberalisierung des politischen Systems hingegen eine im Großen und Ganzen vergleichsweise positive Entwicklung ermöglicht.

Westdeutschland erlebt nun einen Umbruch. Im Westteil Berlins vernetzen sich die Unabhängigkeitsfürsprecher mit Gruppen in den USA, die, abgestoßen von der politischen Eiszeit auch in den USA (bitte den zu Anfang der Chronik verlinkten Artikel lesen!), für eine Sezession Floridas, Georgias und Alabamas und Bildung eines neuen vereinigten Südstaats kämpfen.
In der übrigen Bundesrepublik verliert Strauß nach einem Korruptionsskandals um einen zwielichten Panzerverkauf an Popularität. Weitere Fakoren, die zu Strauß' Niedergang beitragen sind auch verschiedene Fälle, in denen die harte offizielle Linie einer Mehrheit der Bevölkerung übertrieben und brutal erscheint.

Franz Josef Strauß auf einer Parteiveranstaltung 1975
Die SPD betreibt in diesen Jahren einen Wahlkampf, der sich die aufkeimende Anti-Strauß-Stimmung zunutze macht. Gegenkandidat für die Bundestagswahl 1983 soll Willy Brandt sein. Wahlkampfversprechen sind u. a. :
  • Gewährung weitgehender Autonomie für West-Berlin
  • Rückgängigmachen der Strauß'schen Strafrechtsreformen
  • Verkürzung der Legislaturperiode



Die Bundestagswahl 1983 gewinnt die SPD mit 69% der Stimmen. Die Zeit für den Wechsel nach 14 Jahren Strauß ist reif, so empfinden es viele Bundesbürger. Die Stimmung in der Gesellschaft ist demgemäß milde optimistisch. Dennoch stehen der Bundesrepublik große Herausforderungen bevor.

  • 1980er Jahre

Willy Brandt in den 80ern

Die 80er Jahre sind für Westdeutschland hart. Die Arbeitslosigkeit ist auf einem hohen Stand nach den zurückliegenden Kriegsjahren und der Rezession, einige fähige Köpfe haben das Land verlassen. Auch entsteht erstmalig in der bisherigen Geschichte Umweltbewusstsein, nachdem Smog schon zum Alltag vieler deutscher Städte gehört. Die Regierung Brandt hat viel zu tun, um Maßnahmen zu ergreifen, die sowohl die Wirtschaft ankurbeln, die Umweltzerstörungen reduzieren als auch die Zufriedenheit der Bevölkerung zu gewährleisten.

In der DDR ist seit 1978 ein neuer Mann an der Spitze. Herwig Roth, der als Reformer gilt, führt die Staatsgeschäfte. Politisch stagniert die Entwicklung im Osten eher. Zwar gibt es gewisse Möglichkeiten der Bevölkerungsbeteiligung an der Politik, Polizei und Verwaltung sind dennoch eher autoritär geprägt, Korruption ist (ähnlich wie vielleicht im China der Jetztzeit) ein großes Problem, mit deren Bekämpfung die SED eine große Aufgabe vor sich hat.

1985 nehmen Bundesrepublik Deutschland und Deutsche Demokratische Republik nach langen Jahren ein Projekt der Wirtschaftskooperation auf. Zusammen sollen Wissenschaftler im Bereich der Computertechnologie forschen. In diesem Bereich haben technische Erkenntnisse ganz neue Türen geöffnet, die man nun durchschreiten will.

1986 ist für Berlin ein großes Jahr. Am 7. Mai 1986 unterzeichnen im "Roten Rathaus" Vertreter der westdeutschen Regierung und des Berliner Senats eine Vereinbarung, die dem westlichen Teil Berlins weitgehende Autonomie gegenüber der Bundesrepublik einräumt. Zwar bleibt rechtlich der Staat Bundesrepublik Deutschland bestehen, de Facto ist der Senat in seiner Gesetzgebung nun aber frei, lediglich das Grundgesetz als "Erdung" ist noch verbindlich. Die Deutsche Mark bleibt ebenfalls als Währung bestehen. Die Aktivisten der Unabhängigkeitsbewegung feiern ihren Sieg, Teile der Bewegung sehen aber erst eine Teiletappe erreicht und beharren auf der vollstaatlichen Souveränität als Endziel.


Das Rote Rathaus in Berlin

Bei den Bundestagswahlen, die nach Wiederherstellung der Legislaturperiode von 4 Jahren 1987 stattfinden, kann die SPD mit 55,7 % der Stimmen erneut den Sieg erringen und stellt den Kanzler. Brandt tritt eine zweite Amtszeit an.

Global gesehen werfen die Ereignisse in den USA große Schatten. Nach dem gescheiterten Putsch gegen den neugewählten reformorientierten Präsidenten der Demokraten herrscht in den USA ein Gefühl von "Alles ist möglich / anything goes!".
(Ich verweise hier gerne nochmal auf den Text, der meine Geschichte hier inspirierte!)




In nicht einmal einem Jahr bereiten die Staaten Hawaii, Florida, Georgia und Alabama Referenden für eine Unabhängigkeitserklärung und einen Austritt aus den Vereinigten Staaten vor. Am 4. Juli 1988 erklären die vier Staaten als Hawaii und Union of Southern States (USS) die Unabhängigkeit....

Die Flagge der USS...



...und Hawaiis









... ein knappes Jahr später, am 17. Mai 1989, folgt nach Protesten und Versammlungen auf Straßen und Plätzen Vermont in die Unabhängigkeit.

Proteste in Nordamerika
Die Regierung in Washington erklärt, ganz im Geiste des neuen Stils, die Unabhängigkeitserklärungen der ehemaligen Bundesstaaten in vollem Umfang anzuerkennen. Die Staaten der welt schließen sich an.


Beflügelt von den Entwicklungen und Erfolgen in Übersee beginnen auch in West-Berlin erneut turbulente Zeiten. Im Jahr 1989 finden oft an einem Tag bis zu drei Demonstrationen mit mehreren tausend Teilnehmern statt, die eine Unabhängigkeit West-Berlins von der Bundesrepublik Deutschland fordern. Der Berliner Senat unternimmt nichts, die Demonstrationen zu unterbinden, in manchen Fällen scheint die Politik die Aktivisten sogar ermutigen zu wollen.

In der Bundesregierung kommt es zu Diskussionen über das weitere Vorgehen in der Berlin-Frage. Einige Hardliner aus Bayern und Baden-Württemberg stellen sogar die Forderung nach einem Ende der Autonomie West-Berlins und einer notfalls militärischen Beendigung aller Unabhängigkeitsdemonstrationen in den Raum.

  • Anfang der 1990er Jahre, neue Menschenrechtsbewegung, Wende

In teilweise nächtlichen Sitzungen entschließt sich die Brandt-Regierung dazu, Abstand von jeder Form militärischen Eingreifens zu nehmen. In Berlin wittert man nach einer dementsprechenden Erklärung Morgenluft. Man fühlt, dass man nun freie Hand für alle Schritte hat.
Zeitungen dieser Zeit schreiben, dass spätestens Anfang 1989, nach der Sezession der ehemaligen Bundesstaaten der USA, ohnehin alle Gegenmaßnahmen vergebens gewesen wären. Es kommt, wie es scheinbar kommen muss: West-Berlins Unabhängigkeitserklärung erfolgt am 3. Oktober 1990.
Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland erkennt die Unabhängigkeit West-Berlins an, die weltweite Staatengemeinschaft folgt in den darauffolgenden Tagen und Wochen.


  

erstaunliche Resultate der Computerforschung






Die gemeinsamen technischen Anstrengungen von BRD und DDR seit den 80er Jahren haben inzwischen zu erstaunlichen Resultaten geführt. Anfang der 90er Jahre beginnt man in Ost wie West mit der Herstellung erster Personal Computer. Die erste E-Mail konnte bereits 1987 (Inhalt der Nachricht: "Hallo ihr!") von einem ostdeutschen Rechner auf einen Computer westdeutscher Bauart in einem dafür vorgesehenen gemeinsamen Versuch gesendet werden.

Netzwerkspezialisten aus DDR, UdSSR, Frankreich und Westdeutschland arbeiten seit 1986 an einem globalen Netzwerk - dem Internet. 1992 ist die Technologie soweit ausgereift, dass erste Internetseiten online gehen können. Als weltweit dritte Internetpage geht am 21. September 1991 in Ost-Berlin, der Hauptstadt der DDR die Seite www.netzministerium-deutschland.dd online.

Doch nicht nur die Staaten profitieren von den neuen Technologien, auch die Menschen.
Im Ostblock wollen nicht mehr alle Bürger die autoritären Regierungen und die mangelnde persönliche Freiheit für die gewöhnlichen Leute hinnehmen. Zarte Hoffnungen blühen auf, dass mittels des neuen Internets Kontakt zu Menschenrechtlern weltweit hergestellt werden kann, um so eine bessere Zukunft ohne Gängelei und Unterdrückung zu schaffen. Das gesellschaftliche Klima zu Beginn der 90er Jahre ist ein optimistisches.




... E N D E ?



Bildnachweise:
NVA-Fallschirmjäger, zeesenboot auf flickr.com
Proteste, Von Llyfrgell Genedlaethol Cymru / The National Library of Wales from Wales/Cymru - Protest gyntaf Cymdeithas yr Iaith Gymraeg ar Bont Trefechan, Aberystwyth, No restrictions

West-Berliner in Ost-Berlin, Bundesarchiv, Bild 183-B1228-0010-001 / Brüggmann, Eva / CC-BY-SA 3.0
Brandenburger Tor von der Ostseite, Zika, WikiCommons 
Franz Josef Strauß auf einer Parteiveranstaltung, Bundesarchiv, B 145 Bild-F044800-0006 / Storz / CC-BY-SA 3.0 
Willy Brandt in Memmingen, Promifotos.de  Alexander Hauk / www.alexander-hauk.de  
Rotes Rathaus, angr, WikiCommons
Flagge (Gouverneursflagge) von Hawaii, Von Mysid - Self-drawn in CorelDraw, based on FOTW (GFDL)., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1368303

Demonstranten auf der Straße, By I, Ademoor, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2435551
Hayes Micromodem II installed in an Apple II., User Maury Markowitz on en.wikipedia

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen