Dienstag, 4. Februar 2020

Schrecklich unentspannte und nervtötende Welt

Spätestens als ich neulich auf der Facebookseite des "Volksbegehren Artenvielfalt" lesen durfte, dass es sich bei der Tätigkeit des Vögelfütterns im Winter keineswegs um eine Art Hobby aus Gutherzigkeit handle, sondern es dabei um "Gerechtigkeit" ginge, war für mich die Zeit des Überdrusses gekommen. Gefühlt an allen Ecken und Enden, in politischen Diskussionen, im Radio, etc. wird momentan eifrig von "Gerechtigkeit" geredet. "Gerechte Verteilung des öffentlichen Raumes". "Gerechtigkeit gegenüber den Tieren", "Gerechtigkeit den Mitmenschen gegenüber""Klimagerechtigkeit". "Geschlechtergerechtigkeit". Mitgeliefert wird dann auch gerne der moralinsaure erhobene Zeigefinger. Es soll ja schließlich gerecht zugehen. Wo scheinbar an jeder Ecke und vor jedem Gähnen erst moralisch hohe Fragen erörtert werden müssen, verliert dieser ganze Begriff, Gerechtigkeit, für mich langsam an Schärfe... Manchmal frage ich mich sogar, woher diese Idee von einer allumfassenden und alles abdeckenden Gerechtigkeit überhaupt kommt. Ist das eine ursprünglich biblische Idee? Wollten die Heiden auch schon Gerechtigkeit oder "Gerechtigkeit"? Ich könnte mir, ohne viel theoretisches Hintergrundwissen, vorstellen, dass das im Endeffekt ein inzwischen verweltlicht und inzwischen gänzlich aus dem Ruder gelaufenes christliches Gedankengut ist. Mit einem Gott will der postmoderen Mensch nichts mehr zu tun haben. Aber irgendwie gerecht soll's dann schon sein. Die allgemeine Krise befeuert dies noch. "Wo keine Götter sind, walten Gespenster" schrieb einst der Novalis. Ja, so ähnlich, hätte ich jetzt gesagt.

Mir ist von all der Moral inzwischen, wie eingangs erwähnt, ziemlich schlecht. Statt "Gerechtigkeit" sogar beim Vogelfüttern oder auf dem Klo hätte ich gerne ein bisschen Pragmatismus. Weniger absolute Moral, sondern auch ein bisschen hinhorchen, hinschauen und dann abwägen. Das wäre schön.


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