Mittwoch, 27. Juni 2018

eigentlich

Eigentlich müsste die politische Linke sich freuen. Fast alles läuft nach Plan. Besonders gesellschaftspolitische Themen, die nach meinem Empfinden in die linke Ecke gehören, stehen heute ganz selbstverständlich auf der tagespolitische Agenda. In allen seriösen Tageszeitungen wird größtenteils linksliberal berichtet. Scheußlichkeiten (man verzeihe) wie das Gendersternchen werden ernsthaft öffentlich und außerhalb obskurer autonomer Politsekten diskutiert. Parteien, denen man vor Jahren noch konservative Bürgerlichkeit nachsagte oder gar als Wurfgeschoss nachwarf, übernehmen Themen mindestens aus dem Bereich der bürgerlichen Linken. Ein bayerischer Ministerpräsident, der Kreuze in staatlichen Dienststellen platzieren will, wird aus Presse und Öffentlichkeit mit Kritik und Häme überschüttet. Wer hat in letzter Zeit mal ehrlich nach einer seriösen Tageszeitung gesucht, die konservative Standpunkte vertritt und ist fündig geworden? Was sagt denn die große Mehrheit der stinknormalen Bevölkerung, wenn man sie zu Themen wie "Ehe für alle", Integration, Drogenpolitik ... befragt? Mag sein, dass mein Bekanntenkreis da nicht immer repräsentativ ist. Aber hier ist die Wahrscheinlichkeit, eine Aussage zu bekommen, die vor 10 bis 20 Jahren noch unter bürgerlich-konservativ gelaufen wäre, so ziemlich gleich 0. Verständnis für am Ende noch Organisationen wie die römisch-katholische Kirche? Iwo! Von Religion will auch keiner mehr etwas wissen. Die ganz Toleranten erkennen noch im Gönnerton die teilweise guten Werke an, die "die Kirche" mit ihren Einrichtungen tut. Dennoch unkt man momentan in der linken Ecke meines Bekanntenkreises, den ich hier einfach mal stellvertretend für die "Linke" heranziehen will, weiter vom "Rechtsruck", davon, dass die Dinge "immer schlimmer" werden, "wehret den Anfängen" usw.
Ich sehe das anders. Vielleicht guckt man da zu sehr auf die Extreme? Eine Spaltung der Gesellschaft geschieht ja wahrscheinlich aktuell. Und vielleicht sieht man auf der rechten Seite des politischen Spektrums auch darum mehr extreme Meinungen, weil eben die große Mitte des politischen Felds solide weiter sauber linksliberalen Kurs hält, auch dann und wann gegen alle Vernunft und gesunde Maßstäbe an? Wer sich übergangen fühlt, wird aggressiv, aggressive Menschen sagen auch aggressive Sachen. Da ist dann der momentane politisch (in mancher Hinsicht: leider) bedeutungslose rechte Flügel.

Wenn man mich fragt, ich erlebe in der Gesellschaft eher einen "Linksruck". Und wenn ich ehrlich bin,bin ich damit oft nicht einverstanden, was da passiert. Mir wäre ein vorsichtigerer Umgang mit Werten und ein Bewahren wichtig, eine Politik, die sich vom porzellanzertrümmernden Gebaren eines geistlosen Materialismus abgrenzt.

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